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Jeschurun · 1928-11-01 · Heft 11-12 (November 1928) · p. Seite 665

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
15 (1928)
Issue
Heft 11-12 (November 1928)
Date
1928-11-01
Page
Seite 665 (sequence 89)
Language
German
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Der Passauer Judenprozeß 1478. 665 der Hostien durch Transport und Anwesenheit beigetragen hatte. Dann wurden ihre Körper und die noch lebenden vier übrigen Gefangenen, der alte Rabbi Mayer,1 sein Sohn, der junge Mauer,2 sowie Salomon und Jösel,3 dem Scheiterhaufen überliefert. Die Hinrichtung der Juden geschah ,,wider des Kaisers Willen“.4 Leonhard Bauholtz spricht ausdrücklich von Mandaten des Kaisers. Die Einmischung Friedrichs wird in derselben Weise vor sich gegangen sein wie 1476 in Regensbürg. Die auswärtigen Juden riefen die Hilfe des Kaisers an, und dieser forderte den Bischof oder seinen Marschall auf, die kaiserlichen Kammerknechte frei zu lassen oder ihm, dem Kaiser, auszuliefern. Wann das Schreiben des Kaisers und seine Wiederholung — vergleiche die Regensburger Vorgänge — erfolgte, ist nicht bekannt. Am 17. Februar hatte nach dem Briefe Frießhaymers der Kaiser noch nichts von sich hören lassen. Das war ja auch ganz natürlich, da die Passauer Juden erst am 10. Februar gefangen genommen wurden. Doch rechnete das Passauer Gericht mit einem solchen kaiserlichen ,,Verbotsbrief“. Es suchte den Prozeß zu beendigen, bevor sich der Kaiser einmischen würde, und führte auch seinen Entschluß durch, ohne sich behindern zu lassen. In einem einzigen Monat, vom 10. Februar bis zum 10. März, spielte sich der ganze Prozeß ab. Nachdem die Juden die Verbrennung eingestanden hatten, folgte sogleich das Strafgericht. Ueber eine nunmehrige Auseinandersetzung zwischen Kaiser und Bischof liegen keine Nachrichten vor. Wahrscheinlich war, da einmal die Juden tot waren, damit auch der Konflikt beendigt. Handelte es sich doch hierbei im Gegensatz zu der Regensburger Ritualmordbeschuldigung nicht nur um die Bosheit der Juden, sondern gleichzeitig um eine religiöse, Christ- 1 Im Äppendix: Major (oben S. 550). 2 Nach dem Äppendix hieß er: Leb. 3 Im Äppendix: Joseph. 4 Siehe oben S. 552.

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