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Jeschurun · 1928-11-01 · Heft 11-12 (November 1928) · p. Seite 664

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
15 (1928)
Issue
Heft 11-12 (November 1928)
Date
1928-11-01
Page
Seite 664 (sequence 88)
Language
German
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664 Der Passauer Judenprozeß 1478. stach, das Uebrige erzählte ihm Männdel. Auch Jösel schließlieh sah nur die Hostien in der Synagoge liegen, es seien sechs nach auswärts geschickt worden. Von dieser Versendung wissen übrigens nur noch Veydel, Walch und Kolman, dem es Männdel erzählte.1 Als Bote nach auswärts wird einmal2 Unger genannt. Keiner sagt, wer versandt hat. Nur Veydel erzählt, daß sich alle beraten hätten. Wer diese ״alle“ waren, gibt er nicht an. Darnach hätten eigentlich alle erwachsenen Passauer Juden männlichen Geschlechts verbrannt werden müssen. Das würde man auch getan haben, wenn man sie alle bekommen hätte. Die in den Geständnissen erwähnten Unger, Schrey, Hierß, Isrl von Prag und Jägkel waren am 10. Februar, dem Tage der Verhaftung der Uebrigen, offenbar von Passau abwesend. Man begnügte sich damit, die zehn zu töten, die man gefangen genommen hatte. Vier von ihnen ließen sich taufen, sie wurden mit dem Schwerte geköpft. Es waren die beiden schuldigen Hauptattentäter Männdel und Walch,3 ferner Välkchel und Kolman. Sie hatten vielleicht gehofft, mit der Taufe dem Tode entgehen zu können. Jedenfalls erreichten sie mit dem Glaubenswechsel, daß sie nicht lebendig verbrannt wurden. Ist der Anonymus im Anhang zu Schreitweins Chronik richtig orientiert, so war der Synagogendiener Männdel der erste, der sich zur Taufe bereit erklärte und der vor seiner Hinrichtung sogar wünschte, daß man auch seinen Sohn taufe und daß dieser später Priester werde. Doch selbst das letztere Opfer bewahrte Männdel nicht vor dem Schwerte des Henkers. Während Walch, der die Hostien in den Ofen warf, wegen seiner Taufe ebenfalls nur geköpft wurde, traf Veydel, obgleich er die Hostiendurchbohrung bestritten hatte, eine schärfere Strafe. Er wurde mit glühenden Zangen zerrissen. Dasselbe schreckliche Ende erlitt Vetterl, der zur Verbrennung 1 Männdel selber erwähnt die Versendung nicht. 2 Von Kolman in E.. Auf dem Bilde 5 des Flugblattes nimmt ein Christ die für auswärts bestimmten Hostien in Empfang. 3 Im Appendix zu Schreitwein: Isaac (oben S. 549—-50).

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