Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1928)
- Date
- 1928-11-01
- Page
- Seite 662 (sequence 86)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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662 Der Passauer JudenprozeB 1478. mochte dieser schließlich, um Ruhe zu haben, wenigstens die erwähnte Zeugenschaft zugestanden haben. Sich selber aber als Hostienstecher zu bezichtigen, dazu konnte ihn sogar die Angst vor weiteren Folterungen nicht veranlassen. Es muß dies um so mehr hervorgehoben werden, als sein eigener Vater, der alte Mager, der als Rabbiner bezeichnet wird, der Folter nachgab und die Hostiendurchbohrung seines Sohnes einräumte. Prüfen wir nun die Schuld der gefangenen Juden und nehmen wir alles von ihnen Zugestahdene trotz der Folter und der verschiedenen Widersprüche als volle Wahrheit an. Was zeugte während des Prozesses für das den Juden vorgeworfene Verbrechen? Die gestohlenen Hostien waren teils nach auswärts verschickt, und man bekam sie nicht wieder zu sehen, teils verbrannt worden. Bereits im Anfänge des 16. Jahrhunderts konnte man zwar in der anstelle der Sgnagoge errichteten St. Salvatorkirche eine durchbohrte Hostie besichtigen1, doch steht die Behauptung, daß es sich um eine der Prozeßhostien handelte, mit der Wahrheit im Wider- Spruch. Wurden die beiden dünnen, kleinen Oblaten in einen glühenden Ofen geworfen, so sind sie bei der ersten Berührung mit der Glut im Nu zu Äsche verwandelt worden. Wären in Wirklichkeit die Oblaten unversehrt geblieben, wie es später Bruschius wahr haben will, so würde dieses neue Wunder zweifellos in den zeitgenössischen Quellen hervorgehoben worden sein. Messer, Altarstein und Backofen waren zwar vorhanden.2 Besonders die Auffindung des Messers meldete 1 Siehe oben S. 552. 2 Flugblatt oben S. 543: ״zaygten das Messer, den Stein, die Stat und den Ofen“. Stat ist allgemein: Stätte. Der Stein war nach Fellhainer aus Marmor, auch der Anonymus des Appendix zu Schreitwein nennt: lapidem quendam marmoreum. In den Geständnissen heißt der Altar: emmat. Auf Bild 4 des Flugblattes sieht man einen festen Tisch, auf dessen quadratförmiger Platte acht runde Oblaten liegen, von denen eine durch ״Pfeyl“ (Veydel) mit einem dolchartigen Messer gestochen wird; Blut fließt heraus. Am oberen