Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1928)
- Date
- 1928-11-01
- Page
- Seite 661 (sequence 85)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Passauer JudenprozeB 1478. 661 als derjenige, der die Hostien nach auswärts trug (von Kolman in E), Vegdel als Hostienstecher (von Männdel, Walch, Vetterl, dem alten und jungen Mager, sowie Kolman — nach Vegdel hat Männdel gestochen), derselbe als Zeuge des Verbrennens (von Walch und Vett2rl), Vetterl als Aufbewahrer der Hostien (von Vegdel), ebenso als Zeuge des Verbrennens (von Vegdel — Walch nennt nicht Vetterl, sondern Vegdel und in E: Vegdel und Unger), Walch als derjenige, der die Hostien in den Ofen warf (von Vegdel, Vetterl und Salomen). Gegen Schluß des Geständnisses Vegdels wird hervorgehoben, daß er ״unbetwungen“ aussagte, er sei mit Walch und Vetterl zusammen gewesen und da habe Walch das Sakrament in Vegdels Ofen geworfen, worauf auf diesem zwei Engel herausflogen. Das Wort ,,unbetwungen“ (ohne Zwang) zeigt, daß der frühere Teil des Geständnisses gezwungen, d. h. auf der Folter erfolgte. Diese war im Prozeßverfahren so selbstverständlich, daß ein Bekenntnis ohne Folter besonders vermerkt wurde. Für die Wahrheit des Geständnisses beweist die Notiz nicht das Geringste. Vegdel kann vorher unter Folterung seine Anwesenheit bei der Verbrennung wahrheitsgemäß bestritten und sie dann beim nächsten Verhör — ״mer hat der Vegdl Jud bekannt“ —, noch bevor er gefoltert wurde, ,,unbetwungen“ zugegeben haben, um der neu bevorstehenden Marterpein zu entgehen. Von der Verbrennung in Vegdels Ofen hatten bereits Männdel und in E Kolman erzählt, ja, nach E hatte sich unmittelbar vor Vegdel Walch selber des Hineinwerfens in den Ofen bezichtigt und Vegdel als Zeugen seiner Tat angegeben. Es ist auch möglich, daß schon vor dem folterfreien Geständnis Vegdels Vetterl verhört wurde, der gleichfalls Vegdel als Verbrennungszeugen nannte. So laufei auf das darauf folgende Schlußfest (Montag und Dienstag, 29.—30. Okt.). Nach Walch brachte Männdel die Hostien in irer laufei an mitichen in die Synagoge. Äm Mittwoch, 1. November, war jedoch das Fest schon vorüber. Josel, der erst Mittwoch Nacht nach Passau kam, gibt Donnerstag 2. Nov. als den Tag an, an dem man über die Aufbewahrung der Hostien beriet.