Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1928)
- Date
- 1928-11-01
- Page
- Seite 660 (sequence 84)
- Language
- German
- Belongs to
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660 Der Passauer Judenprozeß 1478. ob sie aus dem Ofen kamen oder sich außerhalb desselben zeigten. Walch, der es am besten wissen mußte, weil er die Hostien in den Ofen warf,1 2 sah weder Engel noch Tauben, sondern ,,ain scheyben, darinn ain figur ains kindleins weys“. Die Änderen wissen von dem Vorfall nur nach Hörensagen. Männdel, dem es Kolman erzählte, spricht von zwei weißen Tauben, ebenso Kolman, der behauptet, es erst von Männdel gehört zu haben. Von zwei Tauben und zwei Engelnweiß keiner. Daß ein starker Wind und ein Sausen entstand, findet sich nur bei Vetterl, die Erscheinung des Kindes beim Ver~ brennen der Hostien, wie bereits bemerkt wurde, nur bei Walch. 3 Än .Selbstbezichtigungen fehlt es nicht. Männdel gibt den Ankauf zu, Veydel seine Gegenwart beim Verbrennen, Walch das Hineinwerfen in den Ofen, Vetterl das Äufbewahren der Hostien, ihren Transport zum Ofen und gleichfalls seine Ge״ genwart beim Verbrennen. Im Uebrigen schieben die Ver״ hörten den Anderen die Schuld zu. Abgesehen von den ge״ nannten Selbstbezichtigungen wird Männdel als Käufer be״ zeichnet (von Veydel und dem jungen Mayer)4 5, ebenso als derjenige, der die Hostien nach der Synagoge brachte (von Walch, Vetterl, dem alten und jungen Mayer — nach Välkchel haben der alte Mayer und Veydel die Hostien gebracht) \ Unger 1 Äuch über die Zeit der Verbrennung bestehen Differenzen. Nach Walch geschah sie 14 Tage nach dem Laubhüttenfeste. Vet״ terl gibt dagegen an, daß er die Hostien nach dem Feste drei Wochen lang in der Synagoge auf bewahrte. 2 So schon im Flugblatt. 3 Dennoch werden alle Erscheinungen vereinigt im Äppendix zu Schreitwein berichtet: oben S. 549 Änm. 5. 4 Bemerkenswert ist hier und weiter, daß die Gefangenen nicht immer aus Eigenem andere beschuldigen, sondern teilweise nach Hörensagen. 5 Die Vorgänge in der Synagoge spielten sich nach den Ge״ ständnissen während der ״laufel“ (des Laubhüttenfestes) ab. Da dieses am Sonntag 28. September zu Ende ging und erst an diesem Tage der Kauf der Hostien stattgefunden haben soll, bezieht sich