Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1928)
- Date
- 1928-11-01
- Page
- Seite 631 (sequence 55)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Die ursprüngliche Schrift des Pentateuchs. 631 Schrift. Während aber für die erste, verschiedene Versuche einer Erklärung unternommen worden sind, die mehr oder weniger einleuchtend erscheinen, steht die Wissenschaft bei der zweiten, immer noch vor einem Rätsel. Fragen wir als Juden zuerst, was unsere Weisen zu diesen Problemen sagten, so konstatieren wir, daß sie über das erste so gut wie gar keine Meinung äußern, das zweite hingegen einfach lösen, indem sie die Schrift als göttliche Schöpfung bezeichnen, da sie scheinbar dem menschlichen Genius eine solche Erfindung nicht zumuteten. Unter den zehn Dingen, die am Eingang des Sabbat, also am Schlüsse der Welt- Schöpfung, erschaffen worden sind, wird die Schrift gezählt.1) Sie erachteten diese Kunst der Materialisierung des rein Geistigen, der Bindung des Gedanklichen mittels rein materieller Mittel, wie es Tinte, Papier und Feder, oder Thon und Griffel sind, die das Geistige sinnlich wahrnehmbar machen und die ganze Kulturarbeit erst ermöglichten, als ein Geschenk, das der Ewige der Krone seiner Schöpfung, dem Menschen gleich in die Wiege gelegt hat. Nun wird hier allerdings von הכתב von der Schrift, d. h. von der damaligen wie der unsrigen Welt im allgemeinen geläufigen Buchstabenschrift gesprochen. Die Wissenschaft unserer Zeit spricht aber mit Recht von Schriften verschiedener Art. In erster Reihe von der üblichen, eben erwähnten Buchstabenschrift, und dann von der Bilderschrift, den Hieroglgphen und der Keilschrift. Unter den Paläographen entstand dadurch ein Meinungsstreit. Die Äeggptologen bemühten sich, die von Griechen und Römern überlieferte Annahme, daß die Äeggpter die Erfinder der Schreibkunst seien, die dann von diesen zu den Phöniziern gelangt wäre und hier die Form der Buchstabenschrift angenommen hätte, näher zu begründen. Die Ässgriologen verwarfen diese Annahme. Sie sprachen die Vermutung aus, daß die babglonische Keilschrift als die Mutter der Buchstabenschrift und zwar, speziell der phönizischen, ג) Spr. d. Väter, Abschnitt 5, Misehna 9.