Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1928)
- Date
- 1928-11-01
- Page
- Seite 630 (sequence 54)
- Language
- German
- Belongs to
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630 Die ursprüngliche Schrift des Pentateuchs. gleichsam: ,,Ich höre, bin Zeuge, sei auch du Zeuge־ und höre.“ Aber um Zeuge zu sein im Hören, muß man wirklich hören, sonst zeugt man falsch. Wie kann man das innere Ohr über allen entfremdenden äußeren Schall hinweg auf die alte Ruferstimme vom Sinai richten, um sie zu vernehmen? Durch das Herz! Das Sch’ma richtig lesen — sagen die Weisen — heißt die Kawanah des Herzens darauf richten. Insbesondere erstreckt sich diese Pflicht auf den ersten Bekenntnissatz.1) Das Ohr soll die Sprache der Lippen beim Sch’malesen hören,2) aber das Herz muß das wahre Ohr sein. Wahrhaft erfüllt sein vom erkenntnismäßigen und sittlichen Inhalt des Sch’ma Jisroel heißt aber den Urquell dieser Erkenntnis und dieser Ethik in sich erleben, sich immer wieder vor dem Sinai betrachten und Gottes Stimme hören. Das Sch’ma ist demnach tiefster jüdischer Fundamentalsatz in dem Sinne, daß die größten Gedanken des Judentums in ihm ausgeprägt sind. Offenbarung, Gotteserkenntnis und Sittlichkeit bilden Sinn und Seele des ,,Höre Israel“. Die ursprüngliche Schrift des Pentateuchs3). Von Dr Samuel Grünberg. Zu den schwierigen, fast unlösbaren Problemen der Wissenschaft, mit denen sich Denker aller Zeiten beschäftigten, gehören die Fragen nach der Entstehung von Sprache und 1l B’rachot 13a und b, 14b; Rambam Hilch. K’riat Sch’ma 2״ 1, Schulchan Äruch O. Ch. 60, 5. Das Sch’ma-Gebot ist dadurch über alle Mizwot gestellt, da im allgemeinen die Pflichterfüllung nicht von Kawanat halew abhängt. 2) Vgl. oben Änm. 14. 3) Literatur: Äsarja de Rossi, Meor Enajim; L. Blau, Zur Einleitung in die heilige Schrift; I. Benzinger, Hebräische Ärchäo־־׳ logie; Ä. Z. Rabbinowitz, Toledoth Hajehudim beerez Israel, S. 187/190. In diesen Werken ist die weitere, in Frage kommende Literatur angezeigt.