Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1928)
- Date
- 1928-11-01
- Page
- Seite 629 (sequence 53)
- Language
- German
- Belongs to
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Sinn und Seele des ״Höre Israel“. 629 Erde zurückgelegt hatten. Diese Feststellung löste in der Fachweit die Frage aus, ob die Schallwellen überhaupt jemals verloren gehen könnten. Nach dem Gesetz von der Erhaltung der Energie müßte es — so wird argumentiert — theoretisch möglich sein, mit überaus feinen, empfindlichen Instrumenten noch nach vielen Jahren die Schallwellen hörbar zu machen, die einmal laut wurden und jetzt noch immer durch den Äether schwirren, und so aus dem Äetherraum die Stimmen der uralten Vergangenheit heraufzubeschwören. Gottes Offenbarungsstimme kann nicht nur für einen einmaligen Schall in der Zeit laut geworden sein. Sie ist unverloren da, und auch die Rufstimmen jeglicher Kreatur zwischen Himmel und Erde sind da, auch wenn sie still zu schweigen scheinen. Aber du brauchst nicht erst künstliche, äußere Hilfsmittel, sie zu vernehmen. Lege, Jude, dein Herz an die Dinge des Glaubens und des Lebens, neige dein inneres jüdisches Ohr, dann wirst du die Stimmen hören. Das meint ein feinsinniges talmudisches Wort zu dem Schriftvers: ״Und er sprach, wenn du hören wirst auf die Stimme des Ewigen, deines Gottes . . .“1)r ״Wenn du hören wirst“ ist, wie öfters in der Thora, auch hier mit dem Doppelwort schamoa tischma ausgedrückt, das will besagen: Wenn du mit fein empfindendem Gehör des Herzens dich hinwenden wirst, jene alte Stimme zu erlauschen, wirst du sie immer wieder neu hören, wirst du aber dein Herz von ihr abwenden, dann wirst du sie nicht mehr hören. Das Sch’ma — so bemerken mehrere große Deuter der Tradition — ist eine Art täglicher Zeugenschaft des Juden für Gott und Israel und ebenso eine tägliche Erneuerung der Zeugenschaft Gottes, für Israel. Darauf weisen die Buchstaben Äjin und Dalet am Ende der Worte Sch’rna und echod, die in der Thora groß geschrieben sind, hin, sie ergeben zusammen das Wort ed, Zeuge.2) Der Sch’ma-Rufende bekennt 5) Exod. 15, 26: B’rachot 40, 1; Sukka 46, 2. 2) Rabbi David ben Josef Gbudraham z. St., K’le Jakar z. St.