Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1928)
- Date
- 1928-11-01
- Page
- Seite 624 (sequence 48)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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624 Sinn und Seele des ״Höre Israel4‘. durch alle Zeiten. Nur durch dieses fortgesetzte irrationale Erhorchen jener göttlichen Stimme ist Israels Gottesglaube frei geblieben von aller Beimischung gestaltlicher, bildlicher Art, weshalb auch Moses mit Anspielung auf die von Israel gehörte Gottesstimme sein Volk warnte: Nur seid sehr auf eurer Hut, daß ihr euch von Gott kein Bild macht, denn ihr habt kein Bild und keine Gestalt gesehen, nur eine Stimme gehört, als der Herr zu euch gesprochen.1) Das Klangliche steht unter den Dingen der Sinnenwelt dem rein Geistigen am nächsten. Gott hat es deshalb zum Medium der sinnlichen Offenbarung erwählt. Man kann sich das Gehörte, weil am geringsten dimensional, eher als etwa das Gesehene oder Betastete als ein Unbegrenztes, ins Unendliche Gesteigertes vorstellen. Sinn und Geist berühren sich im Gehör. Im Hörsinn Israels wurde Gottes Offenbarung konkret und im Geist blieb sie vor grobsinnlicher Verflachung geschützt. Hierin drückt sich nicht nur Gottes Dasein, sondern ebenso auch seine Einzigkeit aus. Die Götzen konnte man eine gewaltige Stimme und nicht aufhörend“. (Vgl. Spr. d. V. 1, 13: delo moßif jaßif) ״Älle diese Worte hat der Ewige zu eurer ganzen Versammlung gesprochen auf dem Berge mitten aus dem Feuer, dem Gewölk und den Wetterwolken, eine gewaltige Stimme und nicht aufhörend“, d. h. die Gottesstimme hallt unaufhörlich nach, auch längst, nachdem sie erklang. Eine Stütze für diese Auffassung bietet die Uebertragung des Targum Onkelos ״welo paßak“ ״und hörte nicht auf“, wenn auch Raschi Onkelos als ״ohne Unterbrechung“ auffaßt. Vgl. Mecklenburg, Haketab we Hakabbaiah, der auch abweichend von Raschi und den meisten Äuslegern ״unendliche Stimme“ übersetzt. Hirsch kann nicht befriedigen, da die Stimme nicht, wie er ausführt, auf den jüdischen Kreis beschränkt blieb, sondern in alle Welt hinausdrang. Vgl. Sebachim 116a, Exod, r. 5, 9 u. a. m. Es ist auch nicht anzunehmen, daß ״welo jaßaf“ darauf hinweist, daß Israel nur die zwei ersten Gebote von Gott selbst gehört habe (vgl. Makkot 23b und 24a), denn der Beginn des Verses ״Alle diese Worte hat der Ewige zu eurer ganzen Ver- Sammlung gesprochen . . .“ widerlegt hier gerade diese Änsicht. (Vgl. auch Sabbat 88b.) *) Nach Deuter. 4, 12—19.