Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1928)
- Date
- 1928-11-01
- Page
- Seite 622 (sequence 46)
- Language
- German
- Belongs to
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622 Sinn und Seele des ״Höre Israel“. der Ewige, dein Gott“, rief er: ״Höre, Israel“, und alle bekannten: ״Der Ewige ist unser Gott, der Ewige ist einzig.“1) Unsere Bekenntnisformel müßte man nach alledem anders als bisher üblich übersetzen. Nicht in zwei Sätze, einen Einleitungssatz und einen doppelten Inhaltssatz, zerlegt: Höre Israel: der Ewige ist unser Gott, der Ewige ist einzig; auch nicht in bloßer Vereinfachung des zweiten Satzgebildes durch *) Midrasch-rabba, Deuteron. II, 31. Dortselbst 35 wird zwar noch ein anderer Grund angeführt, wodurch Israel zur Begnadung kam, das Sch’ma lesen zu sollen: Der Erzvater Jakob habe vor seinem Verscheiden seine Söhne um sich versammelt und seine Befürchtung ausgedrückt, sie könnten nach seinem Tode sich fremden Göttern zu wenden. Darauf hätten sie allesamt gesprochen: Höre, Israel, unser Vater: der Ewige ist unser Gott, der Ewige ist uns der einzige Gott“. Jakob habe dann leise hinzugefügt: ״Gelobt sei der Name seiner Herrlichkeit in Ewigkeit“. Rabbi Levi bemerkt hierzu: Äuch jetzt noch spricht Israel das Sch’ma und meint damit: Höre uns, unser Vater Israel: das Erbe, auf das du uns damals verpflichtet hast, bewahren wir noch heute: der Ewige ist unser Gott, der Ewige ist einzig. In etwas anderer Fassung, aber in demselben Sinne spricht sich der Midrasch B’reschit-rabba 98, 3 aus. VgL. auch P’sikta rabbati 31, Sifre zu Deut. 6, 4 und P’sachim 56, 1. Die letztere Stelle will jedoch mit dieser Jakob-Begebenheit nicht die Einführung des Sch’ma selbst, sondern nur die Hinzufügung der Benediktion ״baruch schem k’wod . . .“ begründen, und es ist bezeichnend, daß sie von Maimonides (Hilch. K’riat Sch’ma 1, 4) in diesem Sinne bloß als Grund dafür kodifiziert wird, daß man das ״baruch schem k’wod . . .“ leise nach dem Sch’ma spricht. Vgl. Kessef Mischne z. St. Es ist ferner beachtenswert, daß die genannte von Maimonides kodifizierte Talmudstelle die Einführung, den Satz ״baruch schem k’wod . . .“ leise zu sprechen, damit erklärt, daß zwar der von Moses stammende und in der Thora niedergelegte erste Satz ״sch’ma . . .“ laut rezitiert werden muß, nicht aber der bloß traditionell von Jakob überlieferte Äusspruch; ein Beweis, daß als die eigentliche erstrangige Quelle für die Einführung des Sch’ma die Stelle Deut. 6, 4 mit dem ihm dort innewohnenden Sinn gelten muß. Die zitierte Midrasch rabba-Stelle Deut. II, 31 läßt denn auch wirklich das ״baruch schem k’wod . . .“ von Moses selbst, und zwar leise gesprochen worden sein. Maimonides hätte auch diese Midrasch-Stelle anführen können, aber er zieht bei Kodifizierungen talmudische Belege vor.