Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1928)
- Date
- 1928-11-01
- Page
- Seite 620 (sequence 44)
- Language
- German
- Belongs to
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620 Sinn und Seele des ״Höre Israel“. den Ewigen, deinen Gott, zu dir sprechen. Und der Äufruf, aus der einmaligen Situation der Äbschiedsrede Moses’ herausgehoben, wächst hinaus über den Sinnkreis des damaligen Geschlechtes und spricht zu den jüdischen Generationen der Jahrtausende mit nie verlöschender Glut: Höre, Israel! Höre immer noch die einmal erklungene und seitdem in der Vorsteilung ewig neu erzeugbare Gottesstimme! Erlebe Gott immer wieder konkret durch das Ohr, das stets dem einstigen Klang zu lauschen wähne. Israel konnte zwar auch aus den Erlebnissen der anderen Sinne auf Gott, seinen Gott, schließen. Von den Wundern, die es sehen, bis auf die Himmelsspeise, die es genießen durfte, wies alles hin auf die Existenz eines fürsorglichen großen und mächtigen Gottes, der unter ihm weilte und über ihm schwebte. Aber dies alles bedeutete nur ein Gottentdecken durch Schlüsse und Folgerungen, nicht viel anders als durch die Spekulation auf rein logischem Wege, wobei Widerlegungen und begriffliche Variationen zu gewärtigen sind. Gesehen haben die Israeliten nur die Beweise von Gott, gehört aber haben sie Gott selbst, d. h. wie der Kusari, um anthropomorphistischen Auffassungen vorzubeugen, es ausdrückt, Gott bewirkte den phgsiologischen Eindruck einer Stimme 1). aber nur einer Stimme, wie Moses sie später erinnerte: ״Den Laut der Worte hörtet ihr, nur Laute, aber ihr sähet kein Bild . .“ 2) ״ ... ihr habt keinerlei Bild gesehen, da der Herr am Horeb zu euch geredet mitten aus dem Feuer“3) All die imperativen Stellen der Thora, die den Gesichts- oder andere Sinne auffordern, Gott zu erkennen, konnten darum nicht den Satz des Glaubensbekenntnisses abgeben, so sehr sie auch inhaltlich dasselbe besagen wie unser behandelter Satz, und dieser wieder konnte keinen anderen Sinnesaufruf wählen als den des ״Höre!“. Denn an die unmittelbare, konkret geschöpfte Gotteserkenntnis, die Israel durch das Hören einst gewonnen, knüpft J) Deut, i, 12. 2) Kusari I, 89. 3I Deut. % 15.