Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1928)
- Date
- 1928-11-01
- Page
- Seite 619 (sequence 43)
- Language
- German
- Belongs to
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Sinn und Seele des ״Höre Israel“. 619 hätten diese Stellen eigentlich nicht ebenso gut zum Bekenntniswort Israels werden können, da sie doch in ihrer Aussage wesentlich dasselbe wie der Satz: ״ . . . der Ewige ist unser Gott, der Ewige ist einzig“ einhalten, nämlich Gottes Dasein und seine Einzigkeit bezeugen? Aber nein, nur der Satz: ״Höre, Israel, der Ewige ist unser Gott, der Ewige ist einzig“ ist Israels Bekenntniswort geworden, und nur das ״Höre“ ist dabei als sinnliche Erkenntnisquelle ausgesprochen. Warum? Hätte es nicht ebenso zutreffend: ״Siehe Israel!“ statt ״höre“ heißen können, oder wie einmal später bei Ezechiel1) ״siehe“ und ״höre“ zusammen? Es tritt also klar zutage, daß hier mit Absicht und Bedacht auf etwas Bestimmtes hingewiesen wird, wofür eben das ״Höre“ das einzig entsprechende Sinnesanalogon ist; daß nur an diesem bestimmten zu Hörenden das Wesen der jüdischen Gotteserkenntnis überhaupt hängt; daß der Imperativ ״Höre“ die Wahrheit der metaphysischen Aussage von Gott gewissermaßen unter Beweis stellt, weshalb nur dieser Satz und nicht ein anderer, wenn auch des gleichen Inhalts, aber ohne Hervorhebung des ״Höre“, zum Glaubensbekenntnissatz erkoren wurde. Und welches Hören hier gemeint ist, dürfte keinem Zweifel mehr unterliegen. Bei der zentralen Stellung, die das Faktum der Offenbarung im Judentum einnimmt, weist eben der Kardinalsatz der jüdischen Religion, der fundamentale Glaubenssatz von Gottes Wesen auf den Akt der Offenbarung hin, durch den die Erkenntnis dieses Gottseins mit überzeugender Wucht vermittelt und gesichert wurde. Am Sinai ist nach dem Zeugnisse der Bibel Gott den Israeliten unmittelbar und zwar durch die Stimme, die sie vernahmen, offenbar geworden. Durch das Gehör haben sie sich demnach von Gottes Dasein in direkter, konkreter Weise selbst überzeugt. Daran knüpft nun der jüdische Bekenntnissatz an: Israel, das du einst mit eigenen Ohren die Stimme Gottes vom Horeb vernommen hast, höre den Klang dieser überirdischen Töne weiter in dir nachhallen, höre ewig 3) Ezechiel 44, 5.