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Jeschurun · 1928-11-01 · Heft 11-12 (November 1928) · p. Seite 618

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
15 (1928)
Issue
Heft 11-12 (November 1928)
Date
1928-11-01
Page
Seite 618 (sequence 42)
Language
German
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618 Sinn und Seele des ״Höre Israel“. wird sich noch zeigen. Es wird aus der Beantwortung einer Frage, die auch noch offen steht, hervorgehen, warum nämlich gerade der Sinn des Gehörs gewählt ist. Wenn die Sinnes- Wahrnehmung, wie dargestellt, eine Quelle für die Gotteser- Kenntnis abgeben soll, warum soll sie sich hierbei auf den Sinn des Hörens beschränken? Kann und soll uns nicht ebenso auch jeder Baum und jeder Strauch, der sich unserem Gesichtssinn zeigt, jede Blume und jede Blüte, die uns ihren Duft spendet, alles Genießbare, das unser Geschmack wahrnimmt, alles Greifbare, das sich unserem Tastgefühle kundgibt, von Gottes, des Schöpfers, Dasein Zeugnis geben? Jeder Auf schau nach oben zum blauen Himmel, zur strahlenden Sonne, zu den blinkenden Sternen; jeder Blick nach unten, zur fruchtbaren Erde, zur schönen Natur, zum siegbaren Leben müßte doch auch — wenn die Erfahrung zur Gotteserkenntnis beizutragen bestimmt sein soll — eben so gut und vernehmlich wie das Klangliche, wie das musikalische Phänomen der Natur von Gott zu künden vermögen. Die Frage ist umso berechtigter, als doch die Bibel selbst noch andere Sinnesmittel, Gottes Dasein wahrzunehmen, kennt.1) Besonders reich ist die Bibel an Aufrufen und Berichten, die das Sehen zur Quelle der Ueberzeugung von Gottes Existenz und seinem Walten stempeln. Aus der übergroßen Fülle2) seien nur Stellen wie die folgenden erwähnt: ״Dir ist es sichtbar gemacht worden zu erkennen, daß der Ewige der Gott ist, keiner außer ihm“3), ״Sehet jetzt, daß ich, ja, ich es bin, kein Gott mit mir“4) Stempeln diese Stellen nicht auch das Sehen zur Quelle der Gotteserkenntnis? Ja, *) Vgi. z. B. Psalm 34, 9. 2J Z. B. Gen. 16, 3; 32, 31; Exod. 16, 7; 20, 22; 24, 10; 54,10; Lev. 9, 4; Num. 14,14,22; Deut. 4,9,35; 5, 21; 32,39; Reg. 1,22, 19; Jes. 6, 1; 35, 2; 40, 26; Jer. 31, 3; Ezech. 1, 1; Zach. 9, 14; Ps. 97, 6; Hiob 42, 5; Chr. II, 18, 18; 26, 5. 3) Deut. 4, 35. 4) Deut. 32, 39. Hier tritt sogar die imperative Form für das Sehen hervor.

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