Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1928)
- Date
- 1928-11-01
- Page
- Seite 617 (sequence 41)
- Language
- German
- Belongs to
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Sinn und Seele des ״Höre Israel“. 617 Geistes zu sein, unverständlich, sinnlos, weil noch so intensive Aufmerksamkeit den Quellen der Erkenntnis, aus denen die Ueberzeugung gespeist werden soll, keine neue hinzufügt. Die Mahnung, aufmerksam zu sein, müßte in diesem Falle zumindest als farbloses Füllsel bezeichnet werden. Für eine Stärkung und Erhöhung der im Bekenntnissatze ausgesprochenen Erkenntnis leistet dieser Aufruf jedenfalls nichts.1) Hätte es daher nicht genügt, nur die reine Mitteilung zu geben: der Ewige ist unser Gott, der Ewige ist einzig? Es muß also wohl so sein, daß das ״Höre Israel“ hier mehr ist als ein bloßer Aufruf zur Aufmerksamkeit. Dieser Imperativ muß vielleicht schon die Erkenntnisquelle für den von ihm eingeführten Lehrgehalt abgeben, und zwar, da er doch ein Appell an einen der Sinne ist, nicht eine Erkenntnisquelle rein denkmäßiger, sondern sinnlicher, konkreter Art; es scheint, daß die hier mitgeteilte Erkenntnis von der Thora als eine Erkenntnis auf Grund von Erfahrung hingestellt wird; daß der erkennende Geist des Juden aufgefordert wird, zu erleben und zu erfahren, daß der Ewige unser Gott und einzig ist; daß er schließlich im besonderen auf die Kraft eines der Sinne gelenkt wird, der ihm die Erkenntnis Gottes zu vermittein imstande ist. Wie das gemeint ist und was Israel hören soll, um daraus seine Gotteserkenntnis zu schöpfen, x) Deuter. 4, 1 und 5, 1 erscheint der Imper. ״Sch’ma!“ in der Bedeutung des Gehorchens und In-sich-Äufnehmens. ״Und nun Israel, höre auf die Gesetze und Rechte . . .“ — ״Höre, Israel, die Gesetze . . .“ Außerdem sind Gesetze Gegebenheiten, die ein& gewisse Sachlichkeit darstellen und eine rein erkenntnismäßige Einsteilung nicht voraussetzen. Die Stelle Deut. 27, 9, deren Sch״ma durch den Imp. Haskes im Sinne des Äufmerkens ergänzt und gedeutet wird, schärft eine reale Gegebenheit dem Bewußtsein ein. Bei rein erkenntnismäßigen Aufrufen wie hier wird das ״Höre!“ weggelassen und nur ein Imperativ an das Denken gebraucht, wie Ps. 46* H: ״ . . . erkennet, daß Ich Gott bin“, und Ghrl I 27, 9: , ... erkenne den Gott deines Vaters“. An das Sehen, statt des Hörens, wird auch Öfters im Sinne der Erkenntnis Gottes appelliert. Doch davon weiter im Texte.