Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1928)
- Date
- 1928-11-01
- Page
- Seite 608 (sequence 32)
- Language
- German
- Belongs to
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608 Über Orte und ihre Bewohner im alten usw. angesehen, und man scheute sich lange, sich eine Lebensgefährtin von dort zu holen. Desgleichen hatten auch die Bewohner von Harpanja keinen Grund auf ihr ״Jichus“ sonderlieh stolz zu sein. Nach den talmudischen Berichten verfuhr man nicht gerade glimpflich mit diesem Orte. (Neubauer erklärt dies auch damit, weil sich hier eine Art Sekte von Himmelszeichendeutern gebildet. Ozar Is. IV. 182.) Als einst Raw Hamnuna an Ulla verschiedene, diesem nicht genehme Fragen stellte, warf der letztere spottend hin: ״Wie groß wäre dieser Mann, wenn er nicht aus Harpanja stammen möchte!4‘ Und da Ulla sah, daß er mit solch anzüglicher Bemerkung doch etwas zu weit gegangen, lenkte er gleich wieder ein und meinte: ״Wohin zahlst du deine Kopfsteuer? Nach Pum-nahara, dann gehörst du eigentlich dorthin! (Jeb. 17a.)“ Schließlich liebte man es auch schon damals, gewissen Orten bezüglich ihrer Einwohner das Stigma einer nicht gerade besonders hohen Geistesverfassung aufzudrücken. So kursierte das Allgemeinurteil über die Galiläer גלילאי שרטה (vielleicht darum als trotzige stolze Abwehr der Ausspruch im neuen Testament: ״selig sind die Einfältigen im Geiste“), was wohl sicherlich in erster Reihe seine Begründung in der geringen Gesetzeskenntnis derselben hatte, zum Teil aber auch in einer gewissen gesellschaftlichen Zurückgebliebenheit. Selbst ein R. Jossi haglili blieb von solchem, wenig schmeichelnden Epitheton einmal nicht verschont, das er sich von Beruria, der Frau R. Meirs, wegen seiner etwas umständlicheren Äntwort auf ihre Anfrage hatte gefallen lassen müssen. (Erubin 53b.) Im Uebrigen konnte man auch darum in kein rechtes Verhältnis zu den Galiläern gelangen, weil, wie der ״Maharscha“ bemerkte, unter ihnen die meisten ״Minim“, Juden- Christen oder Häretiker vorkamen, andererseits aber, wie schon oben gezeigt, neben ihrer fehlerhaften Sprechweise auch ihre sonstigen Anschauungen und Sitten von denen der Süd-Judäer verschieden waren. (Grätz II. 2. S. 271.) Daß man hin und wieder auch die aus Babglonien kommenden Gelehrten als ״Narren“ hinstellte (בבלאי טפשאי Keth.