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Jeschurun · 1928-11-01 · Heft 11-12 (November 1928) · p. Seite 589

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
15 (1928)
Issue
Heft 11-12 (November 1928)
Date
1928-11-01
Page
Seite 589 (sequence 13)
Language
German
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Sigmund Freuds Unglaubensbekenntnis. 589 Triebkräfte, die bei Menschheitskulten nur in seltensten Fällen zu finden sind (und auch da nur bei geistig ganz hoch-׳ stehenden Auserwählten). Man kann wohl weltliche Inhalte und ethisch-künstlerische Werte von gemütserschütterndem Charakter in eine Art religiöse Werte umprägen, sie zu einem System erheben und praktisch für sie durch Institutionen und Gemeinschaften werben, man kann durch Werbung von Gesinnungsgenossen eine ethische Verbrüderung, eine Partei, Sekte schaffen, mit Formen und Bekenntnissen — es fehlt dennoch all diesen Bestrebungen die innige Glaubensbasis, die innere mitreißende Geffihlsbetonthcif, das irrationale Element, das der Religionssphäre eignet, es fehlt solchen selbstgegebenen Dogmen das Visionär-Geschaute, vom Atemhauch der Ewigkeit Getragene, das vom Menschen das Letzte fordert. Diese Bindung für eine Allgemeinheit kann nur ein göttliches, mit dem Anspruch der Transzendenz und Apriorität auftretendes Gesetz zuwege bringen (s. meinen Aufsatz ״Moralunterricht und Religion“ Jeschurun Bd. 7, S. 15/30). Völlig verfehlt wäre aber erst die von Freud aufgestellte Forderung, die Religion (als eine Erscheinung krankhafter Kindheitsneurose) aus dem Erziehungsplan der Schule zu eliminieren und den Primat des Intellekts, die Lehre vom Nützlichen, eine natürliche Morallehre also an ihre Stelle zu setzen. Schon Fr. W. Förster (Jeschurun, 1. c. S. 20) hat darauf hingewiesen, wie wenig eine dürre Nütziichkeitslehre imstande ist, das kindliche Herz auszufüllen, die Impulse des Herzens und Kräfte des Geistes zu wecken. Das ewige Moraipredigen und Anpreisen guter Handlungen und Gesinnungen hat noch lange nicht die Weckung von Motiven und schöpferischen, tatgebärenden Willenskräften zum Guten im Kinde zur Folge. Wir selbst haben (ibid.) darauf hingewiesen, daß wir uns beim Ausscheiden der Bibelkunde eines der wichtigsten Erziehungsmittel zur Weckung der Anschauung beim Kinde berauben würden. Das schönste Geschichts- und Geschichtenbuch (Lebensbilder großer Helden und Forscher) kann für die Befruchtung des kindlichen

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