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Jeschurun · 1928-11-01 · Heft 11-12 (November 1928) · p. Seite 588

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
15 (1928)
Issue
Heft 11-12 (November 1928)
Date
1928-11-01
Page
Seite 588 (sequence 12)
Language
German
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588 Sigmund Freuds Unglaubensbekenntnis. hat. Der Hauptunterschied des religiösen und des von weitliehen Werten hervorgerufenen Gefühls liegt jedoch nicht so sehr in der Intensität des Äffekts als in dem Umfang und der Vielseitigkeit der von religiösen Impulsen erzeugten Gefühle. Treffend charakterisiert Bruno Ältmann diesen entscheidenden Gefühlsunterschied (in einem Artikel ״Moderne Formen der Religionsbekämpfung“, im ״Morgen“, Jahrgang 2, Nr. 4): ״Mit der Versenkung in die transzendent genommene Gottesidee ist auch gleich ein Grundstock ästhetischer Eindrücke, sittlicher Verpflichtungsgefühle und Wissens verlangender Stimmungen geschaffen“. Vor allem fehlt es (darauf deutet auch Ältmann hin) den von rein weltlichen Ideen inspirierten Kunstwerken oder wissenschaftlichen Leistungen an der expansiven Kraft, um weiteste Volkskreise zu ergreifen und stimmungs- oder gefühlsmäßige Dauerwerte zu erzeugen, die über den Erzeugungsbereich des Kunst- oder Forscherwerks weit hinausreichen. Sie erzeugen meist mehr intellektuellen Genuß als nachhaltige seelische Spannung und Gesinnungsbefruchtung. Was aber der religiösen Idee und den von ihr hervorgebrachten Werten und Werken das entscheidende Uebergewicht über die von rein weltlichen Idealen erzeugten Leistungen verleiht, das sind die praktischen Gefühlswerte, die den innigen Beziehungen zwischen Gott und Mensch ihr Entstehen verdanken. Der wahrhaft Gläubige kann nicht sittlich schlecht sein, diesen Satz hat wohl auch der größte Skeptiker noch nicht bestritten. Liebe, Güte, Zärtlichkeit, Andacht im Gebet, Selbstaufopferung, Hilfsbereitschaft, Heldenverehrung; Märtgrerhingabe, Gottessehnsucht, Streben nach Hohem, Geistigem, nach Vervollkommnung in Gottes Ebenbilde, Heiligkeitsbedürfnis, Gnadenbedürfnis, Demut vor dem unbegreiflichen Schöpfungsgeheimnis, Versenkung im Absoluten, Erlösungssehnsucht, und noch viele andere reale Gefühlskräfte — dies sind alles vom Glauben, von der Religion vorzugsweise erweckte und von ihr abhängige

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