Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1928)
- Date
- 1928-11-01
- Page
- Seite 581 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Sigmund Freuds Unglaubensbekenntnis. 581 tralgott. Diese fiktive Gottheit wird dann durch Ueberredung, Beschwörung, Opfer, Gebete versöhnlich und günstig gestimmt, wie ein Kind den Vater günstig stimmen will (schon in ״Totem und Tabu“ hatte Freud die Gottesvorstellung der Primitiven aus der Ängstvorstellung des Vatermordkomplexes abgeleitet). Der Mensch stellt sich mit den Göttern auf Da und Du, traut ihnen dann die Kraft zu, daß sie um seinetwillen die Naturgesetze durchbrechen, Wunder tun und ihn vor Schädigung bewahren werden. Jedoch merken die Menschen allmählich bei wachsender Erkenntnis, daß die Naturkräfte stärker sind als die Götter, daß auch die Götter einem Schicksale (Moira) unterworfen sind. Daher ziehen sich die Götter allmählich von der Natur zurück, das Moralische wird mehr und mehr ihre Urdomäne; es entstehen im Fortschritt der Jahrhunderte die Moralvor- Schriften, ihnen wird göttlicher Ursprung zugeschrieben, das Leben dient dann angeblich einem höheren Zwecke, die Begriffe: Seele, Unsterblichkeit, Belohnung von Gut und Böse, Jenseits, höhere Vorsehung werden geprägt. Alle diese Begriffe von Ällgüte, Ällgerechtigkeit usw. konzentrieren sich später in einer Person, einer Idee, einem Wesen, der Monotheismus der Juden wird geboren: ״So hatte das jüdische Volk den väterlichen Kern, der von jeher hinter jeder Gottesgestalt verborgen war, freigelegt.“ (S. 29.) Nun, da Gott ein einziger war, konnten die Beziehungen zu ihm die Innigkeit und Intensität des kindlichen Verhältnisses zum Vater wiedergewinnen. Diese Darstellung des Entwicklungsganges der Religionen, die jedes übernatürliche Eingreifen in den Werdegang der Menschheit für unmöglich hält, und die alle geistigen Phänomene wie Freiheit, Tugend, Unsterblichkeit, Seele (״beim Sezieren ist das Messer noch niemals auf eine Seele gestoßen“), auf phgsische, bezw. auf psgchophgsische Vorgänge und zweckdienende menschliche Fiktionen zurückführt und jede Wirklichkeit, soweit sie nicht materiell ler oder phgsisch-triebhafter Natur ist, leugnet, stellt Freud