Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1928)
- Date
- 1928-09-01
- Page
- Seite 574 (sequence 102)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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574 Bücherbesprechungen. kreis sich erobern wird. Die Gedanken, Anregungen und Mahnungen sind vielfach älteren Werken entnommen, aber dort weil es sich um umfangreiche Werke, wie ספר חסידים und ראשית חכמה oder um wenig gelesene wie יש בוחלין׳ ס׳ המוסד מטה משה׳ ספר חרדים usw. handelt, nicht so zugänglich. Äuf eins muß, gerade weil das Werk jetzt hoffentlich nicht um gelobt sondern auch gelesen werden wird, nachdrücklich hingewiesen werden. Ein kluger Mann hat mir bei der Herausgabe von Luzzattos Mesilas Jeschorim einmal gesagt: die Herausgabe sei nicht ganz unbedenklich. Es werden da so hohe, scheinbar unerreichbare Forderungen gestellt, daß der Leser zu dem Ergebnis kommen könnte: Da ich diese Ansprüche, die als Forderungen an mich herantreten, doch nicht erfüllen kann, so gebe ich es überhaupt auf, Mussargedanken zu verwirklichen. Aber man muß sich eben immer gegenwärtig halten, Mussarforderungen stellen Ideale, das letzte Ziel dar, das ich mir vor Äugen halten muß, zu den hin ich immer strebe. Das Ziel zu kennen ist von höchstem Wert, wenn ich es auch nicht erreiche. Auch hier gilt לא עליךהמלאכה לגמור• Wenn im vorliegenden Werke Nr. 890 es als אסור גדול bezeichnet wird, daß die reichen Leute einen Lehrer engagieren, um ihren Töchtern Musikunterricht zu geben oder Nr. 897 in Verschärfung eines talmudischen Satzes gesagt wird, daß das Lachen fällt בכלל ׳ליצנות שאין מקבלין פני השכינה so sind das Forderungen, die sicher nicht allgemein gestellt werden dürfen. Oder wenn angeraten wird (S. 278) sobald man ein Chumesch zur Erde fallen sieht, zu fasten. Ueberhaupt ist das viele Fasten ein Charakteristikum in den Forderungen dieses Werkes. Diese Eigenart geht auf speziell süddeutsche Einstellung zurück, die sich hier mit manchen Strömungen in kabbalistischen Schriften berührt, im starken Gegensatz zu Mussar- Schriften, wie wir sie in Mosche Chajim Luzzattos Werk und in denen der neueren litauischen Schule haben, von denen der chassidischen Richtung nicht zu reden. Echt litauisch aber berühren uns Fälle, in denen der Verfasser um größerer religiösen Interessen willen vom strengen Wortlaut eines Din abweichen zu dürfen glaubt. Man vergleiche Nr. 159. Ferner Nr. 850, wo er wünscht, daß auf das שבתות תמימות תהינה Sonach dem man am ersten Abend שבועות vor Eintritt der Nacht kein Kidduscb machen dürfe (in vielen Orten wartet man sogar mit der תפילה bis dahin), keine Rücksicht genommen werde. Es werde zu spät mit dem Essen, die י/,ט-Freude werde gemindert, man komme zu wenig zum Lernen. An die in dieser Zeitschrift von Oberrabbiner Joseph Carlebach getadelte Ueberwertung der Pijutim zu Schaden der eigentlichen Teile des Gebets, erinnert es, wenn er Nr. 967 schildert,