Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1928)
- Date
- 1928-09-01
- Page
- Seite 569 (sequence 97)
- Language
- German
- Belongs to
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Büche rbesprechungen. 569 das Eifern für Gottes Ehre gegenüber der Wertschätzung eines Götzen durch Ahazia. Für die L. Ä. des M. T. I. Sam. 12, 3 (gegen LXX cit. S. 9t Änm. 5) und gegen A. Schulz sprechen eine Fülle von Parallelst, z. B. Ez. 22, 26, Jes. 1, 15; Prov. 28, 27, Lev. 20, 4. S. 98 Änm. 10 lies Targum Jonathan statt Onkelos. Die Ekstase der ״weissagenden Äeltesten“ bei der Opferfeier (Num. 11, 24 ff.) ist u. E. ein ganz einzigartiger Fall und gerade deswegen niedergeschrieben und überliefert. — Trotz dieser Mängel in der Ärbeit des geh Vf. stehen wir nicht an, zu erklären, daß er uns für die Erleuchtung einer dunklen Kulturgeschichtsepoche und ihre Erklärung zu Dank verpflichtet. Julius Samuel F. Bernstein: Der Antisemitismus als Gruppenerscheinung. Versuch einer Soziologie des Judenhasses. Jüdischer Verlag Berlin. Äls Beitrag zur Diagnose einer pathologischen Erscheinung wird ein mit strenger Logik aufgebautes System der /Aassenpsychologie geliefert. Diese Abhandlung über den Judenhaß geht weit über den Rahmen der bei Behandlung solchen Themas üblichen Äpologetik hinaus, indem sie in klarer, exakter Manier zur Abhandlung über das Phänomen des Zusammenlebens überhaupt wird. Äls Träger des Hasses werden die nach den verschiedensten Kategorien (biologische, kulturelle, soziale usw.) sich zusammenschließenden Gruppen gekennzeichnet, die dem EinzeÜndividuum vor der Umwelt Schutz gewähren. ״Die Gruppe erscheint als funktionelle Einheit und als die unentbehrliche Organisation, um den Genuß aller Vorteile,־ welche die menschliche Gemeinschaft bieten kann, mit der Möglichkeit zur ÄeuBerung der fortwährend nach Entladung drängenden Unfreundlichkeitsgefühle kombinieren zu können.“ (S. 80.) Der ideologische Unterbau zum Nachweis ihrer Existenzberechtigung führt zu erhöhtem Kollektivbewußtsein, woraus sich die verallgemeinernde Infamierung anderer Gruppen besonders der gleichen Kategorie erklärt (z. B. nationaler Gegensatz, Klassenkampf). Ärgumente rechtfertigen vor aller Argumentation bestehende Haßgefühle. So argumentierte der Antisemitismus aller Zeiten, um den Haß gegen die deutlich gekennzeichnete andersseiende jüdische Minorität zu rechtfertigen, mit immer sich ändernden, weil zeitgebimdenen Wertungstypen. Religiöser Antisemitismus im Mittelalter, rassentheoretische Begründung in heutiger Zeit der populär gewordenen Naturwissenschaften. Immer hat das jüdische Kollektiv um zu leiden: ״ . . . die Judenfeind- Schaft ist wie eine stechende Sonne, die auf gerechte und ungerechte Juden herabbrennt“ (S. 221.) Da sich das antisemitische Ressentiment aus der Eigenart der jüdischen Gruppierung in der Welt ergibt, kann nach Ansicht des Verfassers eine zweckmäßige Therapie 7