Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1928)
- Date
- 1928-09-01
- Page
- Seite 570 (sequence 98)
- Language
- German
- Belongs to
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570 Bücherbesprechungen nur in der Äenderung dieser Gruppierung bestehen, dergestalt, daß durch Zusammenfassung zahlreicher verstreut lebender jüdischer Gruppen in einer Gruppe die antisemitische Feindschaft zu einem normalen nationalen Gegensatz normalisiert würde. — Es ist nicht möglich, im Rahmen einer kurzen Besprechung den ganzen Gedankenreichtum dieses Werks auszuschöpfen. Ein bedeutungsvolles Buch, dessen Studium wärmstens empfohlen sei. Moritz Michaelis. Felix Salten: Simson, Das Schicksal eines Erwählten. Roman. Paul Zsolnay-Verlag. Berlin 1928. Brosch. 3.50 geb. 5.—. Eine psychologisch geschickte, originale dichterische Äusmalung der Simsongeschichte. Ueberzeugend und lebendig dargestellt der Konflikt des Äuserwählten, der im Dienste der Befreiung seines Volkes dazu verurteilt ist, von seiner Liebessehnsuclit zu den Frauen eben des Volkes getrieben zu werden, dessen blutige Bekämpfung seine eigentliche Aufgabe ist. Hier allerdings scheint m. E. in einem wesentlichen Punkt der Verfasser in seiner Änwendung moderner psychologischer Betrachtungsweise zu weit gegangen zu sein, nämlich in der Darstellung des Delila-Konflikts. Ein nicht seltener Fall, daß eine bestimmte Einstellung ein historisch gegebenes Bild willkürlich umformt. Dichterische Freiheit — sicherlich. Äber Un- Wahrscheinlichkeit in der Erklärung eines historischen Vorganges einer durchaus zeitbedingten Methodik der Seelenanalyse zuliebe! In Saltens Schilderung erscheinen die Frauen um Simson als gar zu komplizierte Naturen; das sind nicht die Orientalinnen, wie wir sie in ihrer schlichten Unterwürfigkeit unter den Willen des Mannes nicht allein aus der Bibel, auch aus anderen orientalischen Quellen kennen. Kann es wirklich keine zwanglosere Erklärung des Verrates an Simson geben, als wie sie Salten uns gibt? Die größere Wahrscheinlichkeit erscheint im biblischen Bericht, demzufolge die Bindung an die philistäische Nation in Delila stärker war als die Bindung an einen Erbfeind ihres Vaterlandes. Die psychologische Verniedlichung des Konfliktes dichtet eine einfache Instinktshandlung zu einer höchst komplizierten Boudoir-Intrigue um. Roman aus neuester Zeit, sicherlich künstlerisch gekonnt, in seiner Ärt ein in sich geschlossenes Werk, aber doch zu sehr europäischer Konzeption, als daß es dem Geist der Richterzeit völlig gerecht würde. Und noch eins, was den Umdichtern biblischer Geschichte zu denken geben sollte. An keiner Stelle ist die ergreifende Wucht der Diktion erreicht, die uns in dem schlichten Bibelworte entgegentritt. Man lese das Bekenntnis, das Simson Delila ablegt, als er ihr zuletzt die volle Wahrheit über sein Nasiräertum offenbart, oder die Worte, die Simson im Gebet zu Gott spricht bevor