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Jeschurun · 1928-09-01 · Heft 9-10 (September 1928) · p. Seite 546

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
15 (1928)
Issue
Heft 9-10 (September 1928)
Date
1928-09-01
Page
Seite 546 (sequence 74)
Language
German
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546 Der Passauer JudenprozeB 1478 Ulrichs, der kurz nach der Grundsteinlegung am 2. September 1479 erfolgte.1 Man wird nicht fehlgehen, wenn man annimmt, daß die Texte des Flugblattes aus dem Kreise der Passauer Geistlichkeit stammen. Diese war an den Wundern in erster Reihe interessiert und hatte alle Ursache, die Verbrennung der Juden öffentlich zu rechtfertigen. Darum wird die ״grausamlich Ge- Schicht“ erzählt. Nebenbei findet die antijüdische Einstellung des Berichterstatters ihren Ausdruck. Judas Sitten sind Begier2 nach zeitlichem Gut, die Juden sind Feinde und Lasterer des lebendigen Gottes und seiner Mutter, von Haß gegen ihn erfüllt, wollen seinen Leichnam mit grimmiger Gier kreuzigen, sind begierige Hunde. Kein Wort wird über die Standhaftigkeit der Juden gesprochen, die den Feuertod erlitten. Dagegen wird die Geduld, Reue und Andacht des Kirchendiebes hervorgehoben, über dessen gläubige Seele sich Gott erbarmen solle. Das Ganze hat die Form eines illustrierten Geschichtsberichtes. Anderer Art ist die nächste Nachricht, die sich über die Passauer Vorgänge erhalten hat und die gleichfalls bald nach dem Vorfall im Jahre 1490 niedergeschrieben wurde. An Stelle der Prosa tritt hier die Gedichtform.3 Den Dichter Fritz Fellhainer hat das Geschehnis zu einem Lobgedicht auf ״Gott Vater, seinen Sohn, die Jungfrau Maria und den heiligen 1 Die Worte zu Beginn des Berichtes ״regirende zu den Zegten der hochwirdig Fürst . . .“ lehren, daß Bischof Ulrich damals nicht mehr lebte. Schmid, Illustrierte Gesch. d. Stadt Passau, S. 238 gibt für den Druck des Flugblattes das Jahr 1480 an. 2 Die Christen sind offenbar davon frei. Christoph bildete eine Ausnahme. 3 Liliencron, Die historischen Volkslieder der Deutschen II (1866), Nr. 153 S. 142—146. Ein anderes von Arnim und Brentano^ Des Knaben Wunderhorn, Teil 1, 2. Äufl. (1819), S. 93—96 gedrucktes Lied des 17. Jahrhunderts schließt sich eng an das Flugblatt an und kann in obiger Untersuchung übergangen werden. Der Name des Kirchendiebes ist im Liede des Wunderhorns in Eißenhammer entstellt.

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