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Jeschurun · 1928-09-01 · Heft 9-10 (September 1928) · p. Seite 547

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
15 (1928)
Issue
Heft 9-10 (September 1928)
Date
1928-09-01
Page
Seite 547 (sequence 75)
Language
German
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Der Passauer JudenprozeB 1478 547 Geist“ andächtig gestimmt. Fellhainer weiß mehr als das Flugblatt meldet. Er hat sich weitere Einzelheiten, besonders von den Geständnissen der Juden berichten lassen. ״Kristof Eissiggreissenhamer“ — so lautet im Gedicht der Name — wurde beim Einbruch in die Kirche zu ״Garmeisberg“ gefangen genommen und erzählte ״ungefragt“ dem Passauer Landrichter seine Verbindung mit den dortigen Juden. Mit zweien Namens Mandel 1 und Unger habe er vorher verhandelt und dann letzterem das in Fregung gestohlene Sakrament ausgehändigt. Sodann folgt im Gedichte, was vier Juden, Mandel, Kolman, Walg (Walgt)2 und Salman ausgesagt haben. Zu dem bereits Bekannten erfahren wir, daß Mandel die Hostien in der Sgnagoge auf den ״Merwelstain“ legte, Veigel — so heißt hier Pfegl — dort die Hostien durchstach, hierauf drei Blutstropfen sich zeigten und Walg die beiden Partikeln zum Backofen trug. Während im Flugblatt Prozeß und Hinrichtung durch den bischöflichen Marschall allein erfolgen, schreibt das Gedicht auch dem Passauer Rate einen Anteil zu: ״Mein gnediger Herr in Passaw Stat / und auch der ersame weise Rat / die ließen zechen Juden verbrennen.“ Die übrigen Passauer Juden wurden vertrieben; 46, die sich taufen ließen, konnten wohnen bleiben. Die Kirche wird nicht an Stelle der Sgnagoge, sondern da gebaut, wo der Backofen stand, in den die Hostien geworfen worden waren. Im neuen Gotteshause finden Meßgottesdienste mit großer Andacht statt. Viele Wunderheilungen ereignen sich z. B. wird ein Lahmer, den sieben Jahre auf Krücken ging, gesund. Zum Schluß wird noch ein Verbrechen der Passauer Juden gemeldet. Zu Schärding3 habe man einen4 hingerichtet,5 der gestand, seinen Sohn, einen Knaben, um 12 Schillinge an die Passauer Juden verkauft zu haben. Das Geld bezahlte ihm 1 Der im Flugblatt erwähnte Schulklopfer. 2 Im Flugblatt: Walich. 3 Äm Inn südlich von Passau, Oberösterreich. 4 einen Christen. 5 Im Gedicht: gericht.

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