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Jeschurun · 1928-09-01 · Heft 9-10 (September 1928) · p. Seite 530

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
15 (1928)
Issue
Heft 9-10 (September 1928)
Date
1928-09-01
Page
Seite 530 (sequence 58)
Language
German
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530 Seligmann Bär Bamberger זצ~ל die Auffassung unserer Weisen. Auch in den Teschuwot1) finden wir zuweilen feine exegetische Bemerkungen. Wie bei den meisten großen Talmudisten vereinigte sich bei R. S. B. Bamberger mit der Gelehrsamkeit die Fähigkeit, ja der innere Drang, zu lehren. Schon in Wiesenbronn und dann in Würzburg scharten sich zahlreiche Schüler um ihn. Viele angesehene Rabbiner, vor allem seine eigenen Söhne72) und thorakundige Kaufleute gingen aus seiner Jeschiwa her״׳ vor. Wie in seinen literarischen Werken so legte er auch in seiner Lehrtätikeit das Hauptewicht auf gründliches Wissen und die Fähigkeit, es für die halachische Praxis zu verwenden. Mit außerordentlicher Elastizität arbeitete sich der Wiesenbronner Talmudkaufmann in die so vielseitige Tätigkeit eines Würzburger Stadt- und Bezirksrabbiners des mittleren neunzehnten Jahrhunderts ein. Bei den gehässigen Angriffen vor der Wahl und der Bestätigung durch die Regierung wurde von den Gegnern immer auT die geringe Allgemeinbildung R. S. B. Bambergers hingewiesen.3) Die haßerfüllten und engstlmigen Angreifer wußten nicht, in welch kurzer Zeit ein talmudisch so hervorragend geschulter Gelehrter störende Lücken in seinem Profanwissen ausfüllen konnte. Rabbiner Bamberger verstand wohl, daß im neunzehnten Jahrhundert der Rabbiner einer deutschen Universitätsstadt gerade im Kampfe gegen die zersetzende Reform auf den Besitz einer allgemeinen Bildung nicht verzichten konnte, und mit derselben Gewissenhaftigkeit, mit der er all seinen Pflichten nachkam, eignete er sich die Schätze der deutschen Literatur an und erlernte noch in reifen Mannesjahren die lateinische und griechische Sprache.4) Er wußte, daß dies nötig war, um das Hauptrabbinat Unterfrankens der Orthodoxie zu erhalten. Die 1l Vgl. נחלי דבש, S. 70 f. 2) Von seinen sechs Söhnen waren fünf Rabbiner; vgl. H. Bamberger, Geschichte der Rabbiner Würzburgs, S. 73. 3) Vgl. Allgemeine Zeitung des Judentums, Jhrg. 1839, Nr. 92 und 98, Korrespondenzen aus Würzburg. 4) H. Bamberger a. a. 0., S. 69 f.

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