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Jeschurun · 1928-09-01 · Heft 9-10 (September 1928) · p. Seite 501

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
15 (1928)
Issue
Heft 9-10 (September 1928)
Date
1928-09-01
Page
Seite 501 (sequence 29)
Language
German
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Ein Mussarleben in der Gegenwart 501 Es liegt die Parallele nahe mit dem Quietismus, mit den Pietisten. Sie ist oft, aber fälschlich gezogen. Nur scheinbar ist der Mussarnik verschlossen, auf sich bezogen, der Welt und was sie bewegt, entfremdet. In Wirklichkeit ist er ganz und gar auf den Kampf eingestellt. Und in einem tiefen Wort charakterisiert er sich selbst. Ganz Israel ist freilich sein Leben aufgegeben in den allgemeinen Forderungen. Aber auch der Individualismus kommt zu seinem Rechte und einem jeden Menschen hat Gott seine besondere Aufgabe gestellt. Man sollte erwarten, sie entspräche den Bedingungen seines Lebens, dem Milieu, in das er hineingeschaffen. Das Gegenteil ist der Fall. Weil eben nach Gottes Ratschluß das Diesseits eine Stätte des Kampfes, in der durch die Ueberwindung der Widerstände die Vollkommenheit errungen werden soll, darum ist der Mensch in Verhältnisse hineingesetzt, die so gar nicht seinen Neigungen und der ihm gewordenen Aufgabe entsprechen.תתן אמת ליעקב חסד ׳לאברהם Wahrheit war der Grundzug des Charakters Jakobs, zum schlichten Manne hatte Gott ihn gestempelt und er mußte sich abseits der Bahn seiner Charakterkräfte einer Welt des Trugs erwehren, den Typ der Liebe hatte Gott in Abraham geschaffen und sein Herz war bewegt von der Frage: Wo bleibt die Güte Gottes im Strafgericht, ja, wo finde ich auch nur den gerechten Richter? Und sein innerstes Wesen: die Liebe wurde auf die denkbar härteste Probe gestellt: durch die Akeda! * * * Ob diese Gestalt, ihr Wesen und Wirken zur Norm gemacht werden kann für jüdisches־ Leben, wage auch ich zu bezweifeln. Zu vielgestaltig ist das Leben, zu viele Ansprüche stellt es vor allem in der heutigen Zeit an uns, die Vertrautheit mit dem allgemeinen Wissen der Zeit fordert wohl manche Abstriche, nicht weniger die immer schwerer werdende Erringung des Lebensunterhaltes. Ein Mussarnik als Leiter eines großen Geschäftsbetriebes, ja, auch nur oder vielleicht mehr

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