Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1928)
- Date
- 1928-09-01
- Page
- Seite 493 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Ein Mussarleben in der Gegenwart 493 ten Schößling aus dem Stamme Jischais geschildert wird, der Geist, dessen Wissen in der Einsicht, dessen Stärke im Ratschluß, dessen Ehrfurchtsschauer in der Er kenntn i s begründet' ist. Charakteristisch für diesen Mussarnik, daß er bei aller Ehrerbietung vor den Persönlichkeiten und den Werken der .קבלה, weder die Systeme noch die Ansprüche für die Lösung weltanschaulicher Probleme ja auch nur für Erklärung einzelner Schwierigkeiten, die jüdische Lehre und jüdisches Leben bieten, irgendwie verwertet. Er empfindet: mystische Versenkung bietet doch die Gefahr subjektiver Tauschung. Um ihn aber soll sein Klarheit und Wahrheit. So ist seine תורה' sein Denken und Wissensstreben in der Lehre. Aber weit mehr noch entfaltet sich in עבודה in dem Persönlichsten des Dienstes an Gott sein Weg und sein Wandein in Heiligkeit. Er ist die wahre Verkörperung jenes Gottesdieners, wie ihn Jehuda Halevi im zweiten Buche seines Kusari geschildert. Ein Herrscher im Reichender Triebe, durch Selbstdisziplin gehämmert und gefestigt. Die Selbstdisziplin geschult in der Erfüllung einer jeden Mizwah bis in ihre feinsten Verästelungen. Wie weiß er aus allem, was uns angelernte Menschen- Satzung geworden, das Letzte herauszuholen, um das Gebot Gottes in seinem letzten Sinne, in all seiner Reinheit zu erfüllen. Er kennt auch hier den Konflikt der Pflichten, er hat eine tiefe Einsicht in die Notwendigkeit, einmal das minder Bedeutsame vor dem Bedeutenderen zurücktreten zu lassen. Er begibt sich nicht sklavisch in den Bann der Buchstabenentscheidung eines der jüngsten Bücher. Letzter Maßstab bleibt der Wille und der Gedanke des Talmuds und der großen Dezisoren. Schöpferisch trifft er mit der Sicherheit dessen, der auf den Wegen Gottes wandelt, das Rechte. ״Ich stelle mir Gott stets vor Äugen“. Auf der Tafel steht es geschrieben, eine Mahnung dem Vorbeter, eine Mahnung jedem, der sich anschickt, mit Gott zu reden. Hast du dir auch nur ein einziges Mal recht vergegenwärtigt, was es bedeutet, zu Gott zu sprechen, wie so unaufhörlich das