Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1928)
- Date
- 1928-09-01
- Page
- Seite 488 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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488 Das Maximum der Religion von der Liebe im Munde die Inquisition aufgerichtet wurde und daß das Diktat von Versailles angeblich nur um der Idee der Befreiung der Völker willen erfolgt ist. So mögt Ihr Liberalen denn im Luftreich der Ideen Euch tummeln, Ihr werdet immer Euren Anhängern sagen können, im Letzten sind wir mit allen einig. Aber um das Vorletzte geht der Kampf, um die Frage des Heute-Schaffens, um das Primat des Religiösen in der Alltäglichkeit, um die Konsequenz der Verwirklichung, um das ganze Herz, die ganze Seele und das ganze Vermögen. Diese Forderung hat nur das sinaitische Judentum ernst genommen. Die völlige Unterordnung der Gegenwartsbetätigungen bis ins Kleinste hinein unter die Pflichten des Absoluten, so ganz leicht ist sie nicht. Herr Dr. Baeck vergißt, was der Talmud in seiner Wahrhaftigkeit ausspricht: Ist jemand größer als der andere, so ist auch sein Jezer hora, sein innerer Kampf, die Schwierigkeit seiner Selbstdurchsetzung größer. Wir sind G. s. D. keine solchen Engel, daß die Askese nur so von selbst sich durchsetzt, daß wir nicht täglich und stündlich zu ringen hätten, um unser besseres Selbst, und wer gäbe, daß wir ein Minimum dessen erreichen, was wir erreichen sollen! Aber wir hoffen und wünschen, daß unsere liberalen jüdischen Brüder das Maximum dessen erreichen, was sie als Religion empfinden, mit anderen Worten, daß sie wenigstens mit ihren eigenen Thesen ernst machen, dann wird sie etwas überkommen von dem Schechinagefühl wahrer Religion, und sie werden erschüttert einsehn, wie die kleine sittliche Forderung durchzuführen soviel Kraft erfordert, daß alle ihre Anhänger sie verlassen, daß auch der Liberalismus keine ״Chance“ mehr ist in der Gegenwart. Und wenn Claude Montefiore Recht hätte, daß das liberale Judentum die einzige Chance der Juden des Westens ist, dann weh den Juden des Westens, sie müßten aufhören, Juden zu sein. Heute empfindet man in diesem Kreise die innere Hohlheit und Leere noch nicht. Sie feiern an den hohen Feiertagen des Jahres, weil solche materielle Einbuße nicht empfindlich ist, sie besuchen das Gottes-