Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1928)
- Date
- 1928-09-01
- Page
- Seite 487 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Maximum der Religion 487 zu bessern, nicht die Religion. Sie fühlen, wie klein sie sind; bebend und ehrfurchtsvoll stehen sie vor dem ragenden Ideal, das die Thora aufstellt, und empfinden immer nur den himmelweiten Abstand zwischen dem, was Gott von ihnen gefordert, und dem, was sie vollbracht. Sie bedauern es, daß sie bei den Schwierigkeiten und den Hindernissen der Welt dieser zuviel nachgeben mochten. Aber die Liberalen, die Nonconformisten, die von sich sagen, sie passen sich nicht an und unterwerfen sich nicht dem Geist des Tages, die Tragöden des Sittengesetzes, die aller heiligenden, weihenden, vorbereitenden Gesetze der Bibel entraten zu können meinen, denen nur ein Maximum von Religion eben genug ist, wo ist das Titanische, das alles Besiegende Ihres Seins und Ihrer Forderungen? Allzu kraß muß die Tragikomik dieses prahlerischen Nonkonformismus empfunden, werden, wenn man die Reden und Verhandlungen des Kongresses liest. Vieles könnte in einer orthodoxen jüdischen Tagung oder gar christlichen Versammlung ebenso gesagt werden. Es ist geradezu töricht zu meinen, daß nicht überall über die Frage der Antinomie von Individuum und Gemeinschaft, von Autorität und Freiheit, von Rationalem und Irrationalem in der Religion gesprochen und mit genau derselben Tiefe über das Wesen dieser ethischen Mächte und über das Problem ihrer Versösnung nachgedacht würde. Es zeigt sich hier wieder, was Rosenzweig einmal so klug ausgedrückt hat: Im Letzten sind wir ganz einig, nur im Vorletzten nicht. Das Letzte, die Idee, die wolkenstürmende, ist leicht ausgesprochen und leicht beherzigt, doch hart im Raume stoßen sich die Sachen. Andächtig schwärmen war immer leichter als gut handeln. Von Gott und dem Messianismus seelisch sich begeistern lassen, was doch schließlieh das Letzte aller echten Religion ist, ist so wenig mühevoll wie umgekehrt der Weg auf den Berg Gottes, die schrittweise Erkämpfung seines Ich und seiner Umwelt für die messianische Welt dornenvoll und mühselig ist. Ich brauche nicht noch einmal darauf hinzuweisen, daß mit der Predigt