Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1928)
- Date
- 1928-09-01
- Page
- Seite 481 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Maximum der Religion 481 Aus Cincinnatti brachte ferner ein Rabbiner die Thora mit, daß der Konflikt der beiden Auffassungen des überlieferten und liberalen Judentums dauernd während der ganzen geschichtlichen Zeit im Judentum nebeneinander bestanden hätte, und er beruft sich dabei auf das Wort des Rabbi Lewi über den angeblich ״individuellen“ Charakter des Zehngebotes. Rabbi Lewi sagt nun: ״Warum heißt es: Ich bin der Ewige, Dein Gott? (nicht Euer Gott) Der Heilige, gelobt sei Er, erschien ihnen wie ein Bild, das nach allen Seiten sichtbar ist. Tausend Menschen blicken darauf, und es blickt auf alle. Also auch wie Gott redete, da sprach jeder aus Israel: zu mir ist sein Wort ergangen. Nicht Ich bin Euer Gott, heißt es daher, } sondern Ich bin Dein Gott.“ Wie völlig ist auch dieses Wort mißverstanden! Es ist ja schon von vornherein sinnlos anzunehmen, daß Rabbi Lewi, ein Lehrer des Talmud, je daran gedacht, dem einzelnen Individuum die Vollmacht zu geben, ) beliebig das Gesetz zu modeln und zu verändern. Gerade im I Lichte dieses Satzes erscheint das Grundproblem des Reli- ) giösen, die Versöhnung des Individuellen mit dem Autoritativen, so ganz anders wie im Liberalismus. Es ist das Wesen der Thora, daß sie gleichzeitig das allen Gemeinsame und doch jedem Einzelnen bei allem Reichtum der Individualität auf den Leib zugeschnitten ist, sein eigenstes Persönliches und Tiefstes zum letzten Erklingen und zur höchsten Entfaltung bringt. Wir waren absichtlich bei diesen Zitaten ausführlicher. J Es zeigt sich hier wieder, wie der liberale Denker der Weisen Worte mißversteht und seine eigenen Gedanken ihnen unterlegt. Nicht anders geht es Claude Montefiore, der den Pentateuch lehren läßt: Du sollst die Arbeit um ihrer selbst willen lieben, und darin etwas Göttliches erblickt.1) Wir haben den ganzen 1J Wenn er das Schaatnesgebot in Gegensatz dazu stellt als rationell unerklärbar, so sagt er nichts anderes als was die Weisen des Talmud längst ausgesprochen: sechs Dinge sind es, gegen die der Jezer Hora und die Völker der Welt immer Einwendungen er-׳ heben werden. Das Schaatnesgesetz usw.