Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1928)
- Date
- 1928-09-01
- Page
- Seite 476 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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476 Das Maximum der-Religion Gebiete der menschlichen Betätigung, der Religion, miteinander in persönliche Beziehungen bringt, auch dazu bei, zwischen den Nationen neue Berührungspunkte zu schaffen. Er arbeitet hierdurch mit an dem großen Werk, die Menschheit zu versöhnen und ihr den Frieden zu erhalten.“ Es beginnt also im Liberalismus dank der Wandlung in der modernen Staatsauffassung und der Erschütterung des Weltkrieges das Gefühl des Zusammenhangs mit allen Juden aufzudämmern. Das ist bedeutsam, denn es wird in seinen letzten Konsequenzen schließlich die Einheit und Integrität des Judentums und die Unhaltbarkeit der reformistischen Idee immer mehr ans Licht stellen. Das dritte Bedeutsame ist — so paradox es klingen mag — die große Unklarheit, die man über die praktische Gestaltung des liberalen jüdischen Lebens gelassen hat. Diese völlige Anarchie, die eigentlich den Begriff der Religion als einer ״bindenden“ Kraft ganz außer Acht läßt, die das Individuum herausstellt auf den Ozean des Lebens ohne Richtung und Steuer, die in psychologischer Verkennung unseres Charakters das Gewissen zur einzigen Richterin macht, als wäre der Mensch nicht dem dauernden Selbstbetrug unterworfen, für gut zu finden, was ihm nützlich ist, was seinem Augenblicksverlangen gerade entspricht, als wäre der kategorische Imperativ allen Menschen so gewiß wie Immanuel Kant, der diesen herben Pflicht-Begriff den ״Volontären der Sittlichkeit“ ins Gesicht geschleudert hat; ich sage: diese Unklarheit, die der Kongreß über jede positive Inhaltsgebung und Formgebung des Judentums gelassen hat, sie hat, wie ich glaube, in sich einen positiven Sinn. Alle früheren Tagungen der Liberalen hatten das ״Nein“ als Losungswort. Sie haben immer nur gesagt, daß und was sie nicht wollen. Sie haben in der Destruktion ihre Aufgabe erblickt, sie saßen in anmaßendem Pathos über dem Gesetze von Mosche und Israel zu Gericht und setzten jeden Brauch, den die Jahrhunderte geheiligt hatten, mit wollüstiger Zerstörungssucht in das Licht des Abergläubischen, des Dummen, des Sinnlosen. Dieser