Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1928)
- Date
- 1928-09-01
- Page
- Seite 475 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Maximum der Religion 475 Gewißheit unsrer Älten sich auszuprägen, daß es schlechterdings eine dauernde Gemeinschaft zu schlechtem Ziele nicht gibt. Nur im Guten kann man einig bleiben, nie im Bösen. Wenn der Wille herrscht, unbedingt zusammenzustehen, so müssen schließlich die niederen Motive in sich zusammenbrechen und die großen Gesichtspunkte zur Herrschaft gelangen. So werden die noch weit auseinanderklaffenden Schattierungen des Liberalismus in ihrer Einung langsam den Weg zu Gott und zum jüdischen Gesetz zurückfinden müssen, wird eine Nuance an der andren die Unhaltbarkeit ihrer Thesen erkennen und gemeinsam tun, was sie einzeln nicht vermochten — Teschuwa. Auch daß es nicht eine Konferenz deutscher Juden, sondem vieler Länder westlicher Kultur, vor allem Amerikas war und die englische Sprache neben der deutschen gehört wurde, ist ein Zeichen glücklicher Entwicklung, ein Schritt zu der Erkenntnis, daß das Judentum keine geographischen Grenzmarken kennt und nicht eine deutsche, sondern eine jüdische Angelegenheit ist. Während bisher unter den Sorgen der Emanzipation und dem Ringkampf um politische Rechte man nicht müde wurde zu sagen und mit größter Leidenschaft zu betonen, daß das Judentum, vor allem das liberale, die Einreihung in den nationalen Komplex des Wirtsvolkes darstelle, daß man deutsch beten müsse, weil Deutsch unsere geheiligte Muttersprache ist, daß man mit dem ausländischen Juden (Ostjuden) nichts zu tun haben wolle, weil man dadurch sich vor den Patrioten zu mißkreditieren fürchtete. Glücklicherweise denkt heute selbst unsere deutsche Reichsregierung anders und läßt durch ihren Vertreter erklären: ״Ihr Verband, der nicht materielle Zwecke verfolgt, sondern im Dienste einer religiösen und ethischen Idee steht, der nicht an die Grenzen eines einzelnen Landes gebunden ist, sondern sich über weite Teile der Erde erstreckt, wie die Anwesenheit zahlreicher angesehenster Vertreter der verschiedensten Nationen beweist, trägt seinerseits, indem er die Angehörigen fremder Länder durch gemeinsame Arbeit, auf dem vornehmsten und intimsten