Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1928)
- Date
- 1928-09-01
- Page
- Seite 474 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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474 Das Maximum der Religion aus der Ahnen dämmriger Vergangenheit oder der neu aufgearbeitete, wenn nicht gar neu verfertigte Ring, den späte Enkel in der Gegenwart geschmiedet haben. Wir wollen vielmehr versuchen, uns selbst zu vergessen und uns zu fragen, was diese Konferenz bedeuten und lehren kann. Zunächst hat der Liberalismus damit vor der Oeffentlichkeit eines gezeigt: daß alle seine Schattierungen zusammengehen und zusammenstehen wollen. Diese friedliche Vereinigung kann nicht unterschätzt werden. Der Prophet Hosea beklagt sich einmal und spricht: ״Völlig einig ist Ephraim in seinen Idolen; laß ihn!“ (es nützt doch nichts, Du rufst ihn nicht zurück). Der Midrasch (s. Jalkut z. St.) biegt den Sinn der Worte um und sagt: Wenigstens in seinen Idolen ist Ephraim einig, und da sie friedlich geeint sind, so laß sie gewähren, so sind sie unangreifbar. Auch der Liberalismus war einig, ׳הנח לו Allerdings meine ich, daß auch darin die Liberalen es leichter haben, über alles prinzipiell Trennende hinwegzusehen und zu sprechen: Ob Du den Sabbat auf Sonntag verlegst, die Milah beachtest oder nicht, ob du Christinnen, die aus ״Scheu vor der Mikwah“ ohne Tauchbad ins Judentum eintreten, als vollwertige Proselgten unter die Chuppoh gehen läßt, ganz gleich, wenn Du nur das alles aus tiefem Gewissen heraus tust, so bist Du ein echter liberaler Jude und in unserem Bunde willkommen. Diese Weitherzigkeit können die Orthodoxen, so leicht sie es sonst haben mögen, nicht so einfach nachahmen. Die Frage der Milah hat sogar die junge christliche Kirche in tiefe Erschütterung gebracht, und um der Verlegung der Feiertage willen ist selbst dort Jahrhunderte lang gekämpft worden. Wie sollten wir einen solchen Verzicht oder solch brüderliche Anerkennung uns abringen können? Gleichwohl ist diese Tagung des Friedens, die die Gegensätze in sich versöhnlich faßte, durchaus etwas Bedeutsames. Denn wenn wir uns fragen, in welchem Sinne konnten die Weisen des Midrasch die Einheit und Gleichheit als solch hohes Gut feiern, ganz unabhängig von der geistigen Basis dieser Uebereinstimmung, so scheint uns darin die tiefe