Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1928)
- Date
- 1928-09-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2292929-2293057-2293063--09988-2303281- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Tescfiurun 15. Jahrgang 5689 תשרי—חשון Sept.—Okt. 1928 Heft 9/10 Das Maximum der Religion. Eine Betrachtung zur liberalen Weltkonferenz. Von Joseph Carlebach. אבי אמרתי אלקים אתם רגו׳־ Sie versahen in etwas nur: Sie blieben selbst noch Mensch, Sie fuhren fort als Sterblicher zu leiden, zu begehren. Schiller. lieber die Weltkonferenz des liberalen Judentums soll ich und möchte ich ein Urteil geben. Es ist mir das keine leichte Aufgabe. Hierin hat es unsereiner doch ein wenig schwerer. Wenn der Hauptredner der Tagung meinte: die Juden des ״Ghettos“, die Gläubigen des Schulchan Äruch hätten es leicht, geistig sei ihnen der Kampf erspart geblieben; die Liberalen dagegen, die sich selbst ihr Judentum erringen mußten, hätten es geistig schwerer, so ist in der Beurteilung der Weltkonferenz die Situation ihrer Anhänger sicher ״geistig leichter“, denn sie sind ja Orthodoxe des Liberalismus. Ich bin als ״Noncorformist“ der Reform nicht in solch glücklicher Lage. Ich stehe zu den Dogmen des liberalen Judentums mit zweifelnder Skepsis. Sein weltanschauliches Fundament erscheint mir brüchig, wie sein Ziel und seine Methoden nicht aus dem herben Ernst des Absoluten geboren sind. Dennoch: nachdem die glühende Leidenschaft seiner revolutionären Kämpfe längst überwunden ist, wird es heute nicht mehr so schwer, auch hier ein ehrliches Wollen, ein ideales Ringen um jüdische Werte zu erkennen und anzuerkennen. Der Leser mag also verschont sein mit einer erneuten grundsätzlichen Auseinandersetzung, welcher Ring der echte ist, der uralte 1