Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1928)
- Date
- 1928-07-01
- Page
- Seite 462 (sequence 94)
- Language
- German
- Belongs to
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462 Das Leid der Tiere. so könnte man doch in Verbindung mit dem erwähnten Midrasch zu dem Ergebnis gelangen, daß sie nicht als verwertlieh angesehen wurde. So erklärte es sich denn auch, daß die Juden der Provence abgerichtete Falken hielten und mit ihnen die Beizjagd betrieben und nun bei einer halachischen Ent- Scheidung ermahnt wurden, die Schnur, mit der der Stoßvogel festgehalten wird, nicht an den Sattelgriff zu knüpfen, weil in dieser Weise zweierlei Zeugstoffe zusammengebracht werden und damit das Verbot von Kilaim (Lev. 19, 19) übertreten wird, ohne daß dabei tadelnde Worte gegen die Falkenjagd an sich fallen. *) Wenn wir aber das, was wir oben ausgefübri, hinzunehmen, daß oft halachische Sätze ausgesprol) Ä. Berliner: ״Äus dem Leben der deutschen Juden im Mittelalter“. S. 29. — Orchoth Chajim II, den Berliner zitiert, wird (wie daselbst ed. Schlesinger von diesem bemerkt,) auch von R. Josef Caro im Beth Josef Jore Deah § 297 gebracht. Nebenbei bemerkt durfte Bechor Schor zu Ex. 7, 15 von Berliner nicht als Quelle zitiert werden. Dieser erklärt nur die Stelle: ״siehe, er (Pharao) geht an das Wasser hinaus: ״damit: es ist bei den Vornehmen und Königen üblich, sich an dem Ufer des Flusses zu ergehen, sie führen dann in ihrer Hand Vögel mit usw.“ Diese Beobachtung mag er an nichtjüdischen Großen gemacht haben, sie beweist aber natürlich nichts für die Verbreitung der Falkenjagd bei den Juden. Äus Äbarbanels Kommentar zu Ex. 22, 30 (zitiert bei S. Grünberg ״eine Leuchte der Bibelexegese Jesch. XV. S. 222) geht nicht hervor, daß die Juden seiner Zeit tatsächlich auf die Jagd gingen, wohl aber, daß Äbarbanei das nicht als ein sittliches Manko angesehen hätte. ״Heilige Männer sollt ihr mir sein und Fleisch auf dem Felde Zerrissenes sollt ihr nicht genießen, dem Hunde sollt ihr es vorwerfen.“ Ihr sollt nicht wie die Nichtjuden, wenn sie auf die Jagd gehen, das Fleisch der erlegten Tiere gemeinsam mit den Hunden verzehren. Sie blieben also heilige Männer, selbst wenn sie auf die Jagd gehen. — Interessant ist, daß auch Philo diesen Vers in Beziehung zur Jagd bringt. ״Tüchtige Jäger . . . besonders in der Zeit, da sie sich mit Jagdgenossen und Hunden in die Beute teilen, werden von den meisten hellenischen und barbarischen Gesetzgebern gelobt, nicht nur wegen ihrer Mannhaftigkeit* sondern auch wegen ihres Gemeinsinnes. Mit Recht aber hat sie der Stifter der heiligen Staatsordnung getadelt, da er den Genuß verendeter Tiere und zerrissener Tiere untersagte“ (L. Cohn: Die