Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1928-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1928) · p. Seite 457

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
15 (1928)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1928)
Date
1928-07-01
Page
Seite 457 (sequence 89)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2292929-2293057-2293062--09971-2303263
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Das Leid der Tiere. 457 Es braucht nicht hervorgehoben zu werden, daß je mehr Israel ״das Volk des Buches“ wurde, desto mehr die Äbneigung gegen die Jagd überhand nahm. Persern, Griechen und Römern, unter deren Herrschaft oder unter dessen Kultureinfluß sie standen, diente das Jagdvergnügen als Sport oder als Vorübung für den Krieg.* 1) Den Juden galt das als Sünde. ״Der Psalmvers: ״Heil dem Manne, der auf dem Wege der Sünde nicht stand“. Ps. 1, 1 das bedeutet ׳שלא עמד בקיניגיון der nicht bei der Tierhetze stand. (Ab. s. 18 b) Von dem Römerfreund Herodes berichtet Josephus, daß er an einem Tage vierzig Stück Wild erlegt habe*), das war eben römisch-griechische Sitte. Wenn Josephus ihn dabei als vortrefflichen Jäger rühmt, so deshalb, weil er trotz all seiner Verherrlichung des jüdischen Gesetzes von Bewunderung für die römisch-griechische Zivilisation erfüllt war. Und die Kämpfe und Spiele im Amphitheater, in dem die Tierhetzen veranstaltet wurden, waren von solcher Pracht umgeben, daß auch der fromme Jude es als schwer empfand, sich das Vergnügen dieser Schauspiele zu versagen. Es muß ja an sich unbegreiflich erscheinen, daß die ungeheure Grausamkeit, mit der hier auch Menschen gemartert wurden und deren Zeugen die erlesensten Geister, darunter Philosophen und Ethiker vom ersten Rang waren, keinen Protest in der römisch-griechischen tadeln. Gegen diese Güte als grundlegenden Charakterzug Achahs spricht nicht das Verbrechen gegen Nabath, den er steinigen lieJS, um in den Besitz seines Weinberges zu gelangen. Das war ein Leidenschaftsakt. Rührend die Reue Ächabs auf die Strafrede Elijahus hin. Ein anderer absoluter König hätte dem Mahner den Kopf vor die Füße gelegt. l) Von der Verklärung, die die Jagd bei den Dichtern der Neuzeit erhält — dem Jäger gehe mehr als jedem anderen die Erhabehheit der Waldesnatur auf, wir erinnern unter vielen anderen nur an die Schriften Ludwig Ganghofers — weiß die Antike nichts. Ein solches romantisches Naturgeffihl hat es im Altertum überhaupt nicht gegeben, übrigens auch nicht im Mittelalter (vgl. Friedtänder Sittengeschichte Roms S. 188 ff., besonders S. 213.) *) Jos. bell. jud. I 21, 13 (zitiert bei Mainzer a. a. 0. S. 8).

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.