Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1928)
- Date
- 1928-07-01
- Page
- Seite 455 (sequence 87)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Leid der Tiere. 455 der Zelte‘1 2, dem ״Besucher der Lehrhäaser Sems und Ebers“ und dem Ahnen, der in der Jagd seinen Beruf sah, zurückgehen. Die Jagd, das war eben das Unheimliche. Ebenso hat die agadische Darstellung Nimrods als des Tyrannen, des Vorkämpfers des Götzendienstes, des Verfolgers Abrahams, wenn sie nicht auf uralte Tradition zurückgeht oder eine Uebertragung vom Unterdrückerreich Babel auf seinen Begründer 1j war, in der Bibel selbst ihre einzige Unterlage in der Angabe, daß ״er ein gewaltiger Jäger vor dem Herrn gewesen.“ ף Auch hier war also wahrscheinlich in der Vorstellung unserer Alten es der Jäger, der durch seine Beschäftigung wild, roh und tgrannisch erschien. Da in der Bibel selbst keine Andeutung für eine ursprüngliche Schlechtigkeit Esaus und Nimrods gegeben ist, so ist diese Verurteilung der beiden Gestalten um ihres Berufes willen — mit der Einschränkung, die wir gemacht — charakteristisch für die nachbiblische jüdische Anschauung.3) *) Gen. 10, 10. 2J Gen. 10, 9. 3) Unsere mittelalterlichen Exegeten stehen in der Beurteilung Esaus und Nimrods unter dem Banne der talmudischen Auffassung. R. Samuel b. Meir, der unter allen unseren Exegeten am stärksten den schlichten Schriftsinn zu eruieren sucht, läßt Esau in einem andeiea Lichte erscheinen. S. R. Hirsch, der inbezug auf die Beurteilung Esaus in den Spuren dieses Exegeten wandelt, folgt hinsichtlich Nimrods vielleicht mehr noch als andere Exegeten der agadischen Tradition. Tief und geistvoll ist seine Deutung des Charakters und der Wirksamkeit Nimrods auf Grund von Gen. 10, 10 als des Begründers des absoluten Königtums und der heuchlerischen Politik. Sforno und Äbarbanel (dieser wenigstens in der ersten seiner beiden von ihm gegebenen Erklärungen) finden in diesem Verse nur, was der Wortsinn sagt, daß er auf Grund seiner Jagd auf wilde Tiere sich einen Namen gemacht und sein Heroentum und damit seine Herrschaft begründet. Auf Grund unserer jetzigen Kenntnisse von der Art, wie die Könige des alten Orients in den uns von ihnen hinterlassenen Inschriften sich ihrer Jagderfolge rühmten, (Literatur darüber bei Mainzer a. a. O. S. 6f) ist diese Auffassung auch urkundlich belegt.