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Jeschurun · 1928-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1928) · p. Seite 418

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
15 (1928)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1928)
Date
1928-07-01
Page
Seite 418 (sequence 50)
Language
German
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418 Ueber die sprachliche Wiederholung usw. Was besagt nun aber unsere Äufzeigung des Affekts als sprachschöpferische Komponente für das Ansehen des biblischen Hebräisch? Bedeutet unser Ergebnis, daß die Merkmale der Iteration das Hebräische als eine nicht nur vom Intellekt geschaffene Sprache erkennen lassen, gar eine Herabwürdigung der לשון הקדש, eine Gleichsetzung mit den 70״ Sprachen der Völker“? Ich glaube: Es erweist sich durch unsere Untersuchung von einer ganz neuen Seite, daß das Hebräische der Bibel nicht nur Buchsprache, sondern auch lebendige Sprache — war. Lebendig: denn das Leben und das Erleben hat an der Wiege der heiligen Sprache gestanden. Die Tora selbst bestätigt es: denn wie immer man sich die Entstehung der Sprache, in der ״die Welt geschaffen“, denke, ob organisch mit Menschenwerden gewachsen, ob, wie das Sprechenkönnen selber, ein Geschenk der Natur, oder ob beide Möglichkeiten vereint — feststeht: daß der erste Mensch, der erstmaligerlebend e Mensch seinen Erlebnissen neuen Sprachausdruck geschaffen hat! Gott selber brachte dem Mensehen, was er zuerst erleben sollte, was mit ihm auf Erden lebte, - um zu sehen, was für Namen er ihm gebe, und alles Lebendige, was der begegnende Mensch benannte, war so in seiner Namersbedeutung festgelegt (Gen. 2,19). Immer ist ja die Erkenntnisquelle des Juden eine doppelte gewesen: Gesetz und Natur sind dem Juden Offenbarungen. Gesetz und Natur spiegelt dem Juden auch der Bau seiner Sprache wieder. Harmonie von Inhalt und Form! Erst darum ist sie ihm heilig. außerhalb der ״Sprache der Völker“, sind jene Schreie, Töne, Gerausche, die als ״Urlaute“ sich dem Menschen entringen, als ursprünglichster, natürlichster und darum stets wahrer Äusdruck, sind individuellste Sprache, nicht von vornherein mit Verständigungsabsicht: so spricht schon, wer noch keine Sprache kann — das Tier, der Naturmensch, das Kleinkind — so spricht noch, wer keine Sprache mehr sprechen kann — der durch Hirnschädigung Stumme, der Erregte, der Entrückte. Ein ״Gesetz“, eine Äeu Be rungsform dieser ״Lautsprache“ ist unsere Iteration.

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