Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1928)
- Date
- 1928-07-01
- Page
- Seite 417 (sequence 49)
- Language
- German
- Belongs to
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Ueber die sprachliche Wiederholung usw. 417 dort höher, wo die Umweltsbeziehung unbeachtet bleibt oder Selbstverständlichkeit geworden; hier wirkt nur noch ein Plötzliches, Unerwartetes Affekt erzeugend. Natürlich darf man nicht umgekehrt formulieren, daß jeder Erlebnisaffekt Sprach- Iteration erzeugt; es gibt auch andere Möglichkeiten sprachliehen ״Äbreagierens“ (Sprachfülle und Redearmut, Sgnonymbildung, Alliteration und Reim — diese sind der Iteration am nächsten verwandt und fanden sich an vielen Stellen mit ihr —, Vermehrung und Verminderung sprachlicher Ausdruckshewegungen). Soweit es der Affekt ist, welcher sprachliche Iterierungen schafft, bedeutet dies — hirnphysi alogisch gesehen — ein Zurücktreten corticaler Anteile des sprachbildnerischen Aktes und ein stärkeres Sichhervordrängen subcorticaler Erregungen.1) 1J Dieses auf Grund neuartiger Betrachtungsweisen gewonnene Ergebnis scheint sich überraschenderweise auch mit einer Lehre der kabbalistischen Sprachpsychologie zu decken, in der sich nach Ähron Marcus wiederholt gehirnlokalisatorische Zuordnungen geistiger Funktionen (und solche wohl nicht nur auf spekulativer, rein symbolischer Basis, sondern auf Basis einer nicht immer sichtbaren Empirie) aufzeigen lassen. Nach Marcus ordnet nämlich R. Chajim Vital ( עץ חיים VI. 1), der eine Dreiteilung der Sprache in gedachte Sprache — Wortsprache — Lautsprache vornnnmt, die Gedankensprache der rechten 'Hirnhälfte, die Wortspräche der linken und die Lautsprache der ״Hirnmitte“ zu. Betont hiernach Marcus selber mit Recht eine Uebereinstimmung der kabbalistischen Zuordnung: Wortsprache — linke Hirnhälfte mit der allgemein anerkannten Anschauung unserer Gegenwart, nach welcher das sinnvolle Sprechen an das Zusammenwirken bestimmter Windungen der linken Hirnhälfte gebunden sei (dritte Stirnwindung: Broca’s Gegend; erste Schläfenwindung: W e r n i c k e), so könnte man diese Parallele nach allem Vor gehenden in Bezug auf das zweite Glied: Lautsprache — Hirnmitte ergänzen. Verstehen wir unter ״Hirnmitte“ jene tieferen, in der Mitte gelegenen Teile d&r grauen Hirnsubstanz, die wir soeben mit der Äffektsprache in Be- Ziehung stellten, (nicht wie bisher das Kleinhirn!), so hat die Wissenschaft auch hier wiederum die Kabbala gerechtfertigt. Denn die Funktion der Hirnmitte, jene Lautsprache, sind Sprachäußerungen 4