Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1928)
- Date
- 1928-07-01
- Page
- Seite 416 (sequence 48)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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416 Ueber die sprachliche Wiederholung usw. materials. Die Affektwiederholung kommt hauptsächlich im Erlebnisausdruck einzelner Personen vor. Die Intensivierungswiederholung findet sich vornehmlich in der profetischen Ansprache oder, allgemeiner gesagt, in der auf Umweltsbeziehung oder Umweltsbeeinflussung basierenden Rede. Die Wiederholungsbildungen dieser beiden Gruppen imponieren als Neuschöpfungen (wenn sie auch nicht immer Wo r t neubildungen erzeugen), weil sie sich aus dem Rahmen des gewöhnlichen Sprachniveaus herausheben; man erkennt den Augenblicksimpuls daran. Insoweit drittens die Wiederholung Gesetz gewordenes Sprachgut ist, tritt sie dort zutage, wo man in vielen Natursprachen hinter ihr einen ursprünglichen Neuheits-Eindruck vermuten kann, der in der Doppelbildung ,,erstarrter Affekt“ geworden ist: also in den Empfindungsausdrücken, Gefühlsregungen, Affekthandlungen, dann in der Mengenbezeichnung des Nebeneinander (Personen, Gegenstände: Mehrzahl, Distribution größerer Gestaltseigenschaft) oder des Nacheinander (Personen, Gegenstände; Zeitspannen; Handlungen: fortlaufende, sich gleichmäßig wiederholende Rewegungseindrücke, besonders wenn sie rhythmischen Charakter tragen). Diese Neigung zur Iteration verläuft in den verschiedenen Sprachepochen des Hebräischen der Änteilkurve des Volks- Charakters der Sprache wahrscheinlich parallel. Es ließ sich aber doch nicht verkennen, daß es letzten Endes ein Band ist, das sich um alle Gruppen der Sprach- Wiederholung im Hebräischen schließt, wohl auch um alle Sprachiterationen: es scheint immer ein Affekt zu sein, welcher die Wicderholungsbildung schafft. (Schon äußerlich kam dies darin zum Ausdruck, daß eine scharfe Trennung zwischen unseren drei Gruppen nicht vorlag.) Von hier aus gesehen, lassen sich alle iterativen Sprachbildungen auf die eine Formel bringen: Die Höhe der Reizschwelle, deren Ueberschreiten zu Iteration führt, hängt von der Erlebnisfähigkeit des oder der Redenden ab. Sie liegt dort tiefer, wo die Umwelt noch neu ist (Natursprache, Kindersprache). Sie liegt