Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1928)
- Date
- 1928-07-01
- Page
- Seite 400 (sequence 32)
- Language
- German
- Belongs to
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400 Vier Probleme des R. Jose usw. Brüdern, und am Bosporus sind ernste Gemüter stark bewegt von der Frage: Wie soll all dieses enden? Die Lehrer und Prediger in den galiläischen und südlichen Gemeinden rufen ihren Hörern zu: Fürchtet nicht, das jüdische Volk wird ewig bestehen! Alle Völker werden aufhören, Israel wird immer bestehen! Israel wird alle Völker überdauern! Wie Gott ewig ist, so ist auch sein Volk ewig! Ein Königreich nach dem anderen entsteht und vergeht, Israel aber besteht für immer! Israel ist gegenwärtig und wird auch in Zukunft sein; Der Name Israels wird niemals erlöschen. Diese Auswahl von Sprüchen, die vielfach vermehrt werden können, sind teilweise anonym erhalten in unseren Quellenschriften, andererseits werden sie im Namen von Autoritäten citiert, deren Wirkungskreis dieser Periode angehört. Eine Tatsache darf aus diesen Sprüchen als feststehend hingestellt werden, daß die fortwährende Betonung der Ewigkeit Israels die bange Angst um Israels Zukunft zum Hintergründe haben muß. Ein starkes, freies Volk denkt an seine tägliche Arbeit, denkt wenig an seine Zukunft, über seine Fortexistenz ebensowenig wie der gesunde Mensch Muße und Zeit findet an sein Ende zu denken. Körper und Seele Israels waren krank und schwach, sein Leben bedroht, seine Zukunft unsicher, da traten die Lehrer als Tröster und Heilsverkünder auf. R. Jose b. Chanina war einer dieser ruhmreichen Tröster. Mochten unsere Feinde noch so sehr aus der heiligen Schrift beweisen, daß unser Heil in der Assimilation liege, mochten sie uns wegen den Sünden der Väter verhöhnen und verspotten, uns ein spurloses Verschwinden unter den Völkern verkünden. Die Propheten zeigen uns die andere ”Seite unserer Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft! Wir werden nicht untergehen, es erwartet uns eine Zeit, ein Tag stent uns bevor, da wird die große Posaune geblasen, und wir werden heimkehren und Gott am heiligen Berge zu Jerusalem anbeten. Nach mehr als sechszehn Jahrhunderten wissen wir heute, wie sehr unsere Lehrer, denen selbst im Dunkel des Elends die Strahlen der Hoffnung leuchteten, das Rechte erkannt und verkündet haben.