Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1928)
- Date
- 1928-07-01
- Page
- Seite 398 (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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398 Vier Probleme des R. Jose usw. sollte sich der gewöhnliche Jude in diesen Verdrehungen und Verleumdungen zurechtfinden. Man merkt es selbst den Gesetzesheroen an, daß fast Verzweiflung aus ihnen spricht. V. Die Midraschexegese kann eine Schwierigkeit im Texte der Predigt nicht übersehen. Wie kommt die Frage von der Heimsuchung der Sünden der Väter in diesen Zusammenhang. Wir sahen, daß die ersten zwei Punkte Fragen des praktischen Lebens berührten, auch der vierte Punkt behandelt, wie wir zeigen werden, das gleiche Thema: Die Assimilation, die Ruhelosigkeit und schließlich die Fortexistenz Israels. Der dritte Punkt behandelt scheinbar ein rein teologisches Problem. Doch dem ist nicht so. Denn die Worte des Dekalogs, die hier citiert werden, sind mit den beiden vorhergehenden Sätzen des Ämoräers und dem Folgenden eng verknüpft. Die Sünden der Ahnen, lehrten die Väter der Kirche, sind schuld am Unglück des Volkes. Der ganze Weltplan und die ganze Heilsgeschichte ist, so meinen die Vertreter der Kirche, auf diesem Faktum begründet. Die Zerstörung Jerusalems, des Tempels, die Vertreibung Israels, die Diaspora, die fehlgeschlagenen messianischen Bewegungen und die in ihrer Folge auftretenden Verfolgungen, die durch Enttäuschung verursachte Apostasie, — mit einem Worte die ganze Geschichte Israels in den letzten zwei Jahrhunderten vor 68 bis 268 von Vespasian bis Diocletian ist eine Folge der Sünden der Väter. In älterer Zeit wurde das Problem des Menschenschicksals zur Frage nach Gottes Gerechtigkeit, nach der Theodizee; bei R. Jose b. Chanina ist der Satz ein Stichwort aller Elemente, die gegen das Judentum kämpfen. Tatsächlich werden um diese Zeit Stimmen laut, die die Ursachen des nationalen Unglückes zu ergründen bemüht sind. Wir kennen etwa ein Dutzend solcher Lehrsätze, die beginnen: ״Jerusalem wurde nur zerstört weil usw. Ferner werden die Sünden der Väter erwähnt, um zu beweisen, daß Israel dieselben Fehler hatte, wie alle Völker. Die Fürsten der Völker im Himmel klagen Israel des