Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1928)
- Date
- 1928-07-01
- Page
- Seite 396 (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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396 Vier Probleme des R. Jose usw. IV. Kann Israel unter den Völkern Ruhe finden? Die Assimilation kann heute ebensowenig wie im Altertum die Judenfrage lösen. Es wäre heute, wie im dritten Jahrhundert ein Selbstmord des Volkes, wie ein schmählicher Verrat am Gottesgedanken. Wie soll aber Israel in Ruhe unter den Völkern leben? Die geschichtliche Lage der Juden im Zeitalter unseres Ämora läßt sich aus seinen eigenen Worten etwa folgendermaßen reconstruieren: Er lebt in einer Zeit der Religions- Verfolgungen. Götzendienst oder Tod lautete die Alternative. Eine bereits früher angeführte Stelle, die auf Dt. 33,28 gestützt, gegen assimilatorische Tendenzen predigt, verbindet damit einen Hinweis auf Verfolgungen, die Sabbatentweihung, Vernachlässigung der Beschneidung und Götzendienst fordern. Es ist anzunehmen, daß R. Jose b. Chanina Augenzeuge der Religionsverfolgungen war, die im Zeitalter des R. Jochanan b. Nappacha viel Gewissenspein verursachten, und wahrscheinlieh auch viele Menschenleben kosteten. Die rabbinischen Quellen bezeugen diese Religionsverfolgung ausdrücklich, obwohl die meisten Geschichtsschreiber sie mit keinem Worte erwähnen. R. Isak läßt Gott sprechen: Israel wird von mir nicht verstoßen (abfallen), selbst wenn Züchtigungen und Verfolgungen über es hereinbrechen. Derselbe Lehrer berichtet über ein Verbot der Beschneidung in Palästina, allerdings hat die Regierung eine nicht weiter erwähnte Stadt von diesem Verbote befreit. Auch sonst klingt aus den Worten dieses Lehrers und seines Kollegen R. Levi eine gedrückte Stimmung, erklärlich nur aus den Verfolgungen, wie das bereits Rapaport erkannt hat. Vielleicht darf man mit diesen Begebenheiten auch die Nachricht des R. Abbahu combinieren, nach der zur Zeit dieser Verfolgung die jüdischen Bewohner von dreizehn Städten sich mit Heiden (כותים im Texte) vermengt, d. h. sich ihnen assimiliert hatten. Abgesehen von diesen Verfolgungen klagen Lehrer und Prediger über den gewaltigen Steuerdruck, dem die galiläischen Juden ausgesetzt waren. Zufolge der Kriege, der Mißwirtschaft, der Disorganisation, der selbst-