Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1928)
- Date
- 1928-07-01
- Page
- Seite 390 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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390 Vier Probleme des R. Jose usw. Syrien verloren haben und die in Aegypten verstoßen waren, heimkehren, und Gott am heiligen Berge in Jerusalem anbeten (Jes. 17,13). Welche Gesichtspunkte leiteten diesen Ägadisten bei der Ausarbeitung seiner Homilie, oder besser gesagt bei der Zusammenstellung dieser vier Widersprüche zwischen Moses einerseits und den Propheten andererseits? Daß wir es hier mit einer klassischen Predigt eines der besten Meister des dritten Jahrhunderts zu tun haben, steht fest. So predigte R. Jose bar Chanina in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts in Tiberias. Bei welcher Gelegenheit diese Worte zuerst geäußert wurden, kann nicht mit Sicherheit festgestellt werden. Vermutungsweise darf wohl erwähnt werden, daß wir eine Neujahrspredigt, oder die Skizze einer solchen in dem uns vorliegenden Gruppensatze sehen dürfen. In diesem Falle mußte vorausgesetzt werden, daß die Citate aus dem Propheten Jesaja oder aus dem Jeremiabuch damals wie heute in der Liturgie bereits ihren Platz hatten, und zwar in der Amidah wie in der Haftarah, was aber festzustellen nicht gut möglich ist. Wie dem auch sei, die Frage ist nicht von solcher Bedeutung, um den Kern unserer Hagada tiefer zu berühren. Für uns handelt es sich darum, den Hintergrund dieser Predigt zu erforschen, den Zweck derselben zu entdecken, die treibenden Motive dahinter zu erkennen. Jede Predigt im Altertum «diente exegetischen oder homiletischen Zwecken. Die Predigt sollte durch Erläuterung des Schriftwortes belehren, durch Ermahnung und Tröstung erwecken und erbauen. Was war die Absicht des R. Jose bar Chanina? Die Frage kann leichter beantwortet werden, wenn man bedenkt, was der Zweck seiner Worte nicht gewesen sein kann, nämlich Widersprüche zwisehen den Propheten und Moses zu entdecken und sie der in der Synagoge versammelten Menge vorzutragen. Ebensowenig ist anzunehmen, daß er die Fragen und Zweifel der kritisch veranlagten Bibelleser unter den tiberianischen Juden auf die Kanzel brachte. In diesen Fällen hätte er wohl auch eine