Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1928)
- Date
- 1928-07-01
- Page
- Seite 383 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Jüdische Höhere Schule in Theorie usw. 383 erst jetzt erkannter Gedanke als Wegweiser zum neuen Bildungsideale herausgeschält: Konzentration. Um einen gemein- Samen Mittelpunkt herum sollen sich die Bildungsgüter lagern. Das Bild der Menorah, deren Lichter von links und von rechts der einen mittleren Flamme zustreben, ist richtunggebend geworden. Nicht mehr beziehungslos nebeneinander sollen die Unterrichtsfächer um den Geist des werdenden Menschen ringen, alle sollen sich einer beherrschenden Grundrichtung anpassen, die wir der Seele geben wollen, um dereinst ganze Menschen, geschlossene Charaktere entstehen zu lassen. Um die jüdische Achse müssen sich die andern Fächer, zunächst die Kernfächer, dann die Kunst- und Kulturelemente, und an der Peripherie die naturkundlichen und technischen Fächer bewegen. Zu ihrer vollen Auswirkung können wir aber die Konzentration erst bringen, wenn wir an Stelle der Wissensaneignung die Kulturkunde als Ziel des sprachlichen und geschiehtliehen Unterrichts ansehen, wie es die ״Richtlinien“ tun. Die Kulturkunde hat ihre Geschichte. Während des Krieges war mehr oder minder laut der Vorwurf erhoben worden, daß die Deutschen bei allem Drill in den Sprachen nicht verstanden hätten, mit den Völkern zu verkehren, daß ihre Kolonisten, Diplomaten und Reisenden deshalb so unbeliebt gewesen seien, daß man ihnen ein gut Teil der Isolierung Deutschlands im Weltkrieg zuschob. Das Bedürfnis machte sich geltend, durch Einfühlung in das Wesen, Denken und Tun der anderen Völker, wie sie der Geschichts- und fremdsprachliche Unterricht vermitteln kann, zu den durch den Weltkrieg entfremdeten Völkern eine Brücke zu schlagen. Ebenso stark aber, und durch beleidigten Stolz und die verlorene Machtposition noch empfindlicher, machte sich das Streben geltend, statt der ästhetisehen Behandlung die Vertiefung in deutsches Wesen zu fordem, um die im Volkstum liegenden Werte zu Bewußtsein zu bringen. All das, die Erinnerung an die Einkreisung, der Wunsch nach Verständigung mit fremden Nationen und nach Durch-