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Jeschurun · 1928-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1928) · p. Seite 378

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
15 (1928)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1928)
Date
1928-07-01
Page
Seite 378 (sequence 10)
Language
German
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378 Die Jüdische Höhere Schule in Theorie usw. Kerschensteiner geht von der Erwägung aus, daß die Hauptaufgabe der öffentlichen Schule in der Berufsbildung oder mindestens in der Vorbereitung auf sie liege. Er verlangt daher an jeder Schule Einrichtungen zur Entwicklung der manuellen Fähigkeiten, voll angestellte technische Lehrer und angegliederte Werkstätten. Die Leipziger Schule stellt nicht die Berufsbildung, sondern allgemein harmonische Erziehung in den Mittelpunkt. Durch technische Arbeiten aller Art, von Papparbeiten bis zur Glastechnik entwickelte das Arbeitsseminar des Pastors Götze körperliche Kraft und Gewandtheit, Ausbildung der Sinne, Anschauung, Tätigkeitstrieb und alle Charaktereigenschaften, die mit der Pflege des Handwerks verbunden sind. Die dritte Richtung, von Scherer1) vertreten, stellt geringere Ansprüche. Einfachste Werkzeuge und einfachstes Material verwendet sie beim Werkunterricht. Ihr ist es ledig״ lieh darum zu tun, die Handarbeit, zu der jedes Kind die Freude mitbringt, nicht verkümmern zu lassen. Aufsteigend von den Fröbelschen Beschäftigungen setzt sie den Arbeitsunterricht als eigenes Fach den Realien zur Seite, um ihn dann unter Verwertung der Geometrie und des Zeichenunter״ richts in den Dienst des praktischen Lebens zu stellen. Für uns Juden ist dieser Arbeitsunterricht der ernstesten Beachtung wert. Kein Volk leidet so unter der die manuelle Tätigkeit geringschätzenden Einseitigkeit wie das jüdische. Nicht umsonst hat der Talmud die Erlernung eines ״Hand״ werks“ so hoch eingeschätzt, daß er dessen Vernachlässigung mit der Erziehung zum Räuberhandwerk gleichsetzte. Alles, was die Leipziger Schule von den mit der Pflege des Handwerks verbundenen Charaktereigenschaften sagt, bestätigte sich an unseren Talmudgrößen und bei den in schwerster körperlicher Arbeit in- und außerhalb des Hauses arbeitenden Juden des Mittelalters. Bis vor kurzem wußte man auch im Osten, daß der Bachur zu allem zu gebrauchen sei, im Gegensatz zu נ) Arbeitsschule und Werkunterricht, Verl. Nenmich, Leipzig.

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