Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1928)
- Date
- 1928-07-01
- Page
- Seite 376 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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376 Die Jüdische Höhere Schule in Theorie usw. skizziert ist, auf sie an, so will sie den jungen Juden über die Stufe anschaulichen Erlebens — worauf sich die Religionsschule wegen ihrer geringen Stundenzahl und die Grundschule mit Rücksicht auf das ihr zugewiesene Schülermaterial wohl beschränken muß — hinausheben und ihn ״zu klarem Sehen und Urteilen erziehen, in die Zucht wissenschaftlichen Denkens nehmen, zu schärferer Betrachtung und gedanklicher Erfüllung und geistiger Durchdringung“ jüdischer Gegebenheiten führen. Sie hat aber auch die Kulturgüter der Menschheit an die kommende Generation zu leiten. Denn wie man auch den Satz: ״Wer sagt, ich habe nur Thora, der hat auch keine Thora“ erklären mag, soviel ist sicher, daß wir, ganz abgesehen von beruflichen und politischen Aufgaben aus jüdischen und allgemeinmenschlichen Gründen an der Uebermittlung der Kulturgüter der Menschheit arbeiten müssen. Daß sie nicht Selbstzweck sind, versteht sich. Auch der verbissenste Verfechter der Wissenschaft um ihrer selbst willen wird in der modernen Schule den Primat der Charaktererziehung anerkennen und von ihr den Wert des Unterrichtes abhängig machen. Nur hat man noch unter dem Banne der Aufklärung und des Rationalismus das allgemeine Wissen als so Charakterbildend angesehen, daß es das Ziel des ganzen Vorkriegszeitliehen Unterrichts war, möglichst viel wissenschaftlichen Stoff nach einem feststehenden Pensum zu bewältigen. Die heutige Schule ist davon abgerückt. Sowie sie in der Jugendpflege vom Kinde ausgeht, hat sie auch im Unterricht einen anderen Ausgangspunkt gewählt. Sie will nicht mehr die eine oder andere Seite seines Geistes bilden, sondern den Menschen in seiner Totalität erfassen und gestalten. Die Persönlichkeit, die am Ende dieses Weges steht, sieht freilich in den Köpfen der Pädagogen verschieden aus. Die ״Richtlinien“ legen davon Zeugnis ab, sie sind nicht das Produkt einer einheitlichen Auffassung, sondern stellen ein Kompromiß dar und mußten schon deswegen, nicht nur wegen der kaum veränderten Stoffmaße des Minimallehrplanes, schwere Angriffe von allen Seiten erfahren. Diese werden freilich nicht verhindern