Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1928)
- Date
- 1928-07-01
- Page
- Seite 374 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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374 Die J&dische Höhere Schule in Theorie usw. Jugendpflege der Schule gehört es, daß sie den religiösen Jugendverein mit allen Mitteln unterstfitzt und für eine anregende Jugendlektfire sorgt. Beides unter dem Gesichtspunkte, daß der Junge und das Mädchen dabei nicht nur sich als Jugendliche, sondern als jüdische Jugendliche erleben. Der werdende Mensch ist auf der Suche nach dem Ich. Der Erzieher, der das zu nutzen versteht, hat die Jugend in der Hand. Darum bemüht sich auch der moderne Lehrer, diesem Streben entgegenzukommen, z. B. bei der Darbietung der Geschichte, bei der Zusammenstellung der Lesebücher solche Töne anzuschlagen, die der Bildung der Persönlichkeit auf dieser Stufe dienen. Nur ein Gebiet gibt es, wo darauf nicht Rücksicht genommen wird, oder noch viel zu wenig: im jüdischen Unterrieht, in der jüdischen Schule. Bekannt ist die ergreifende Schilderung Edmond Flegs1) von dem Judenknaben, der auf der Suche nach dem Ich erst vom übelwollenden Pfarrer erfahren muß, daß er Jude sei, ohne zu wissen und erfahren zu können, was das sei. Im allgemeinen weiß das unsere Jugend hierzulande. Und es wird in den jüdischen Schulen viel Jüdisch gelernt. Aber es wird bei der Darbietung der Stoffe zu wenig auf die individuelle Eigenart einer jeden Altersstufe Rücksicht genommen, die Jugendlektüre zu wenig zur Hebung des jüdischen Selbstbewußtseins und die Jugendvereine zu wenig zur Pflege jüdischer Freundschaft und Lebensfreude nutzbar gemacht. Und weil das so ist, darum sind wir in Gefahr, trotz unserer Schulen die jüdische Jugend zu verlieren. Der Verfasser hat einmal eine kleine Umfrage gehalten: ״Wem von all denjenigen, von denen du gehört hast, möchtest du ähnlich werden?“ Von hundert Kindern haben ganze zehn jüdische Namen genannt. Man nannte Kaiser und Könige, die verschiedensten Feldherrn, auch Schauspieler, ein Mädchen nannte Katharina von Bora, die Frau Luthers. Was bedeutet das? Daß all diese *) Edmond Fleg ״L’enfant Prophete“, Paris, Librairie Gellimard.