Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1928)
- Date
- 1928-07-01
- Page
- Seite 373 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Jüdische Höhere Schule in Theorie usw. 373 Ahnen der Vergangenheit und die Enkel der Zukunft gesehen und angesprochen hat, so sehen wir Sn jedem jüdischen Individuum die Fülle der Anlagen, die es mit der Kultur der Gemeinschaft in Vergangenheit und Zukunft verbinden. In der Erziehung zur Thora bringen wir ihm Werte zu Bewußtsein, die bereits in ihm stecken. Worauf wir achten müssen, ist, daß wir sie ihm so mitteilen, daß sie Eigentum seiner selbst werden, nicht nur äußerlich dem Gedächtnis übermittelt werden. Die Pflege des Jüdischen im Juden hat dann mehr als nur weltanschauliche Bedeutung. Es gehört zu seiner inneren Natur, ohne deren Pflege er in irgend einer Weise verkümmern muß. Diese Wahrheit ist in hundertfacher Variation von Juden der verschiedensten Richtungen schon ausgesprochen worden, ohne daß wir die Konsequenzen ziehen. M i t j ü d ischer Erziehung gibt die Schule das Kind nicht nur seiner Gemeinschaft und seinem Gotte wieder, sondern vor allem sich selber. Sie bildet den vornehmsten Teil jüdischer Jugendpflege, die das jüdische Kind heute noch gern und dankbar sich gefallen läßt. Kommt sie doch seiner Sehnsucht entgegen, die — heute noch — für ein jüdisches Ich ״schwärmt“. Spranger hat in seiner ״Psychologie des Jugendalters“ t) gezeigt, daß diese Jahre, in denen die höhere Schule den jungen Menschen empfängt, ausgefüllt sind von dem Kampf um die Eroberung seines Ich und um die Erfassung eines Lebensplanes. Der junge Mensch ist herausgerissen aus der Lebenseinheit, in der das Kind mit Mutter, Natur und Göttlichem verbunden war. Er bemüht sich, sich selbst zu finden, zu verstehen, von sich eine Brücke zu finden zu den entrissenen Dingen und Menschen, das ist der Beginn des Jugendalters und der Beginn einer großen Einsamkeit. Um den Weg zu finden zur Einheit, erhält er zunächst zwei Bundesgenossen: Die Phantasie und die Jugendbewegung. Beides eine große Wohltat und ebenso (große Gefahr. Zur l) Verlag Quelle u. Meyer, 1925.