Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1928)
- Date
- 1928-07-01
- Page
- Seite 372 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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372 Die Jüdische Höhere Schule in Theorie usw. arzt und Schulschwester müssen sich mit!dem Lehrer verbinden, der seinerseits angehalten werden muß, seine Beobachtungen in Beschreibungen niederzulegen, aus denen sich allmählich eine Ärt Seelenrelief für jeden Schüler ergibt. Wird so die Jugendkunde gepflegt, so bildet sie nicht nur die Voraussetzung, sondern schon den Beginn der eigentlichen Jugendpflege. Die moderne Schule will nicht nur unterrichten, sie will auch bilden und erziehen. Der Jugendliche ist ihr ein Tgp für sich mit dem Anrecht auf eine eigene Kultur. Der Lehrer, der sich mit ihren Besonderheiten eingehend befaßt, kann nicht umhin, ihr helfen zu wollen. Vieles, was der frühere Lehrer mit Arrest quittiert oder überhaupt nicht gesehen hat, versteht er jetzt, der Blick weitet sich ihm für die Notwendigkeiten jugendlichen Lebens in den beiden (Geschlechtern, in den verschiedenen Ständen und Familien. Er kommt bald dazu, diese Jugend zu lieben und mit ihr — die jüdische Zukunft. Aus diesen Gesichtspunkten heraus hat sich die moderne Schule das Gesetz gegeben: ״Erziehung und Bildung vom Kinde aus.“ Danach bestimmt sich Methode und Stoffauswahl. Sie will dem Kinde nichts aufpropfen, was!nicht seinem natürliehen, körperlichen und geistigen Wachstum entspricht, und was sie ihm bietet, das bietet sie in einer Art, die der Individualität der Schüler entgegenkommt. Ob auch das Ziel der Bildung vom Kinde bestimmt werden "kann, darum geht der Streit. Kann, so fragt man, im Ernst daran gedacht werden, das Thoraideal vom Kinde aus an es heranzubringen? Aber die Frage muß viel allgemeiner gestellt werden: Jedes Kulturgut ist doch etwas Objektives, wie soll ich es einpflanzen, ohne etwas dem Kinde eigentlich Fremdes ihm aufzuzwingen? Die Rechtfertigung für diese v,Vergewaltigung“ wird mit Recht darin gesehen, 'daß der kindliehe Geist selbst ein Teil jener Kultur ist, zu dessen Bewußtsein wir erziehen, und daß vor allem das Kind ein Teil der Gemeinschaft ist, die wir ihm durch ihre Kulturwerte zu Bewußtsein bringen. Das Gleiche gilt auch vom jüdischen Kinde. Sowie am Sinai Moses um jeden Juden herum die