Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1928)
- Date
- 1928-07-01
- Page
- Seite 370 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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370 Die Jüdische Höhere Schule in Theorie usw. Stimmen, die schon vor dem Weltkriege zur Umkehr gerufen hatten, und vereinigen sich zur Parole des neuen Jahrhunderts, zu. einem gewaltigen Aufschrei nach neuen Menschen und neuen Ideen, um in Kunst und Wissenschaft ein neues Geschlecht auf den Plan zu rufen. Der Streit, ob Pädagogik eine Wissenschaft sei, ist erledigt. Man hat erkannt, daß sie nicht eine Wissenschaft, sondern die Wissenschaft aller Wissenschäften ist, die alle geistigen Probleme aufrollt. Wir Juden aber sehen mit Erstaunen, wie uralte jüdische Gedanken in ihr zur Geltung kommen und erkennen (in der von Kerschensteiner aufgestellten Theorie der Bildung1) das Bildungsideal, das unsere Weisen unter dem Namen des Talmid Chochom nieder geleg t haben. In einer solchen Zeit, wo die Pädagogik im Mittelpunkt geistigen Lebens steht, wo die Schule Gegenstand leidenschaftliebsten Kampfes ist und der nichtjüdische Lehrer psychologisch und methodisch um die höchste Vervollkommnung sich bemüht, muß vollständige Klarheit herrschen über das Bild der höheren Schule, wie sie das Judentum fordern muß, wenn Tauro im Derech Erez noch einen Sinn haben soll; müssen vor allem die drei großen Gebiete der Bildungsarbeit, die die moderne Höhere Schule zu bebauen hat, unter dem Gesichts- Winkel des Judentums beleuchtet werden: Jugendpflege, Jugendbildung, Jugendführung. Darin ist die Linie aufgezeigt, die die jüdische Schule als Trägerin jüdischer und menschlicher Kulturgüter einzuhalten hat. Dabei schwebt dem Verfasser vor allem die deutsche Höhere Schule vor, die in den preußischen Richtlinien die bis heute freiheitlichste und fortschrittlichste ministerielle Grundlegung erhalten hat.2) Sie ג) Theorie der Bildung (S. 227). Verlag Teubner, Leipzig. 2J Der Aufsatz bezieht sich meist auf deutsche Verhältnisse, bewegt sich also auf derselben Grundlage und in derselben Richtung, wie die beachtenswerte Abhandlung, die in der zum 75jährigen Bestand der Schulanstalten der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt a. M. erschienenen Jubiläumsschrift unter dem Titel: ״Die jüdische Höhere Schule“ veröffentlicht worden ist.